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„BRAVO ZULU“ für den Besten Bootsmann 2016

Kapitän zur See Matthias Kähler, Bootsmann Nico Beißner, Frau Söller-Winkler und Karl Heid

Alljährlich wird seit dem Jahr 2000 im Marineehrenmal Laboe eine besondere Auszeichnung verliehen; der Beste der Bootsmannsausbildung des jeweiligen Vorjahres wird mit einer goldenen Bootsmannsmaatenpfeife geehrt – so auch 2016. Bootsmann Nico Beißner erhielt diese besondere Auszeichnung aus der Hand des Präsidenten des Deutschen Marinebundes e.V., Karl Heid.

Jedes Jahr werden an der Marineunteroffizierschule in Plön viele junge Soldatinnen und Soldaten zu Unteroffizieren und Portepée-Unteroffizieren ausgebildet. Zur Würdigung der in der militärischen Hierarchie außerordentlich wichtigen mittleren Führungsebene hat der Deutsche Marinebund vor inzwischen 16 Jahren diesen Preis gestiftet und würdigt damit den jeweils Jahrgangsbesten. Verliehen wird der Preis jeweils am 14. Juni eines jeden Jahres, dem Gründungstag der ersten Deutschen Marine im Jahr 1848.

Vor den angetretenen Absolventen des aktuellen Bootsmannslehrganges begrüßte der Kommandeur der Marineunteroffizierschule, Kapitän zur See Matthias Kähler, die mehr als 50 geladenen Gäste, die der Einladung gefolgt waren. Gäste aus der Politik, dem Öffentlichen Leben, aus der Polizei und der Bundeswehr sowie aus zahlreichen Verbänden. Eingerahmt und musikalisch begleitet wurde das Zeremoniell im Innenhof des Marineehrenmals durch einen Ehrenzug und das Marinemusikkorps Kiel. Zu Beginn fiel leichter Regen, aber bereits nach dem ersten Musikstück gab dieser auf und machte den Weg frei für eine würdige Veranstaltung unter freiem und trockenen Himmel.

Als Festrednerin konnte die Staatssekretärin im Ministerium für Inneres und Bundesangelegenheiten des Landes Schleswig-Holstein, Frau Manuela Söller-Winkler, gewonnen werden. In ihrer Funktion ist sie unter anderem unmittelbar für den Bereich der zivil-militärischen Zusammenarbeit zuständig und hat insofern einen direkten Bezug zu den Streitkräften, durch ihre persönlichen familiären Verhältnisse sogar zusätzlich einen solchen direkt zur Marine. Mit den Worten „zivil-militärische Zusammenarbeit ist mir in doppelter Hinsicht eine Herzensangelegenheit“ spannte sie diesen Bogen in ihrer Begrüßung sogar selbst. Mit dem Hinweis, dass es primär um die Würdigung einer individuellen Leistung ging, machte sie dennoch zunächst einige grundsätzliche Aussagen zur Verortung der Deutschen Marine in der heutigen Zeit. In einer kurzen Betrachtung der aktuellen sicherheitspolitischen Großwetterlage und insbesondere der daraus resultierenden Bedrohungen wurde den Zuhörern schnell klar, welche Rolle die Weltmeere und in der Konsequenz Seestreitkräfte in diesem Szenario spielen. Das Ansehen insbesondere der Deutschen Marine im internationalen Umfeld machte sie mit dem Hinweis darauf, dass aktuell gleich drei internationale Marineverbände unter deutscher Führung operieren, eindrucksvoll deutlich. Besonders ging die Staatssekretärin auf die Flüchtlingsproblematik ein, sowohl mit Blick auf den Einsatz der Marine im Rahmen der EU-Mission „Sophia“ im zentralen Mittelmeer, als auch auf die Bewältigung der im Land ankommenden Flüchtlingsströme im Jahr 2015. Letzteres sei in Schleswig-Holstein besonders gut gelungen, was in erster Linie am unerschöpflichen ehrenamtlichen Engagement vieler Menschen im Land lag – „Aber es lag eben ganz wesentlich auch an der großen Unterstützung und den vielen, vielen helfenden Händen der Bundeswehr. Damit war das vergangene Jahr ein besonders eindrucksvoller Beweis dafür, wie wichtig eine gute und vertrauensvolle zivil-militärische Zusammenarbeit ist.“ Mit diesen Worten sprach sie den anwesenden Soldaten ihren direkten Dank für diesen Einsatz im Rahmen der Amtshilfe aus.

Das Stichwort „Amtshilfe“ nutzte Staatssekretärin Söller-Winkler aber auch, um einen kurzen Blick aus politischer Sicht auf die aktuell entbrannte Diskussion um einen Einsatz der Bundeswehr im Inneren über die reine Amtshilfe hinaus, etwa zur Bekämpfung einer Bedrohung durch Terrorismus, zu werfen. „Ich habe nicht den geringsten Zweifel an der Integrität und freiheitlich-demokratischer Stabilität unserer Bundeswehr. Und dennoch mahne ich zu einem äußerst sorgsamen Umgang mit diesem Thema“, sagte sie wörtlich. Jede Sicherheitsmaßnahme sei auf der einen Seite geeignet, Freiheit zu ermöglich. Auf der anderen Seite bedeute sie aber auch immer eine Einschränkung von Freiheit. Mit diesem Vergleich und einigen weiteren Ausführungen plädierte sie nicht grundsätzlich gegen einen Einsatz der Bundeswehr im Inneren, aber für einen sorgfältigen Blick auf die Konsequenzen einer solchen Entscheidung – auch im Angesicht der heutigen terroristischen Bedrohung.

Trotz dieses insgesamt intensiven Blickes auf die Sicherheitspolitik und die Marine kam der Ehrengast, Bootsmann Nico Beißner, nicht zu kurz. Mit dem Hinweis darauf, dass in Zeiten eines größeren Strukturwandels und angesichts knappen Personals es besonders wichtig ist, leistungsfähige und motivierte junge Menschen für den Dienst in den Streitkräften zu gewinnen, wandte Frau Söller-Winkler sich direkt an ihn. Bootsmann Beißner war aus insgesamt 750 Absolventen des Jahrganges 2015 ausgewählt worden. Der 30-jährige Marinesoldat hatte sich hervorragende Noten erarbeitet. Viel entscheidender für seine Auswahl war aber das insgesamt überzeugende Persönlichkeitsbild, das er während seiner Ausbildung und auch bereits davor gezeigt hatte. Mit den besten Wünschen für seine weitere Arbeit und seinen weiteren Weg in der Marine gratulierte die Staatssekretärin dem jungen Bootsmann von Herzen und tat dann etwas für eine Zivilistin eher Ungewöhnliches – bedingt durch ihre vergleichsweise intimen Kenntnisse der Marine sattelfest, sagte sie ihm abschließend ein herzliches BRAVO ZULU, wofür dieser sich gleich anschließend per Handschlag bei ihr bedankte.

Nach einer weiteren Laudatio durch den PUO-Korps-Ältesten der Marineunteroffizierschule, Oberstabsbootsmann Michael Fernholz erfolgte die eigentliche Verleihung der Auszeichnung. Der Präsident des Deutschen Marinebundes e.V., Oberstabsbootsmann a.D. Karl Heid, überreichte nach einigen begleitenden Worten die goldene Bootsmannsmaatenpfeife an einem handgeknüpften Pfeifenbändsel und hängte sie Bootsmann Beißner eigenhändig um – gefolgt von einem kräftigen dreifachen HURRA von den angetretenen Inspektionen.

Ein anschließender Empfang im Restaurant HEIMATHAFEN rundete die gesamte Veranstaltung ab. Der frisch ausgezeichnete junge Bootsmann war erkennbar gerührt. Er gehört zum EloKa-Bataillon 912 in Nienburg an der Weser. Damit ist er nicht Angehöriger unmittelbar der Marine, sondern der Streitkräftebasis. Dieser Verband stellt aber regelmäßig die Aufklärungsspezialisten, die für Seeeinsätze auf den Flottendienstbooten der Marine eingeschifft werden. Ein solcher Einsatz steht auch für Bootsmann Beißner in Kürze wieder an. Nach Laboe hatte er seine Ehefrau Elina Beißner mitgebracht. Beide haben eine gerade sieben Monate alte Tochter. Nach der bevorstehenden Seefahrt und der damit verbundenen Trennung sagte sie „das wird schon ein bisschen schwer. Aber ich habe einen starken Rückhalt in meiner Familie und das kriegen wir schon hin“. Das sagte sie aber absolut nicht wehleidig, sondern mit erkennbaren Stolz auf ihren frisch ausgezeichneten Ehemann.

Quelle: Presse- und Informationszentrum Marine, Achim Winkler, www.marine.de

 

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Bester Bootsmann 2016

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