headerbild Wir sind Weltbürger.

Bundespräsident Steinmeier besucht die 58. Historisch-Taktische Tagung der Marine

Wie in jedem Jahr fand auch vom 9. bis 10. Januar 2018 wieder die traditionelle Historisch-Taktische Tagung, kurz HiTaTa, der Marine statt. Bereits zum 58. Mal fand diese in der gesamten Bundeswehr einmalige Veranstaltung statt, bei der aus der kritischen Betrachtung der Vergangenheit Lehren für Gegenwart und Zukunft gezogen werden sollen.

Mehr als 600 Marineoffiziere aller Ränge versammelten sich im mecklenburgischen Linstow, um den insgesamt neun Vorträgen zu folgen, die von jungen Marineoffizieren ausgearbeitet worden waren. Unter den Gästen waren auch DMB-Präsident Heinz Maurus und DMB-Historiker Dr. Jann M. Witt, der bereits seit zehn Jahren im Rahmen von Reservedienstleistungen als Lektor die Marine bei der Vorbereitung der HiTaTa unterstützt.

Entsprechend dem diesjährigen Generalthema „Menschen in Grenzsituationen – Handel und Führen im Widerstreit von Moral und Maßgabe, Wahrnehmung und Wirklichkeit“ befassten sich die neun Referenten mit Fragen von nautischen Havarien und ihrer Aufarbeitung, mit der inneren Wandlung von Kapitänleutnant Hans Paasche vom Seeoffizier der Kaiserlichen Marine zum Pazifisten, mit den Flottenunruhen des Jahres 1917 und deren Ursachen, mit dem Verhalten von U-Boot-Kommandanten gegenüber Schiffbrüchigen im Zweiten Weltkrieg, mit der wechselvollen Biografie von Konteradmiral Rolf Johannesson, der in der Kaiserlichen Marine, der Reichsmarine, der Kriegsmarine und schließlich als erster Befehlshaber der Flotte in der Bundesmarine diente und zugleich auch der Begründer der HiTaTa ist. Weitere Themen waren die Biografie von Admiral Theodor Hoffmann, dem letzten Chef der Nationalen Volksarmee in der Zeit zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung, die Betrachtung der Bedeutung der Bundeswehr-Seelsorge für Soldaten in Grenzsituationen, die Erfahrungen des humanitären Hilfseinsatzes in Banda Aceh nach dem verheerenden Tsunami des Jahres 2004 sowie die Frage nach der Entscheidungsfreiheit eines Kriegsschiffkommandanten in schwierigen Situationen.

Neben den fachlich fundierten, intellektuell anspruchsvollen und fesselnd präsentierten Vorträgen war in diesem Jahr der Besuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier der Höhepunkt der dreitägigen Veranstaltung am Mittwochvormittag. Zum ersten Mal nahm ein bundesdeutsches Staatsoberhaupt an der HiTaTa teil. In seiner Ansprache brachte er den Wesenskern dieses einzigartigen Symposiums auf den Punkt: „Hier wird nicht befohlen, sondern begründet und kenntnisreich diskutiert, der Dienstgrad tritt hinter die Kraft der Argumente zurück und junge Nachwuchsoffiziere debattieren offen und frei mit der Admiralität – auf Augenhöhe. […] Damit unterstreicht die Historisch-Taktische Tagung nun schon seit 1957 einen, wie ich finde, sehr wichtigen Leitgedanken für die gesamte Bundeswehr: Sie ist eine demokratische Armee von mündigen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern. […] Eine Armee, die neben aller notwendigen Disziplin das selbstständige Denken nicht verlernen will, es im Gegenteil zu einer Kerntugend erhebt.“

Text: DMB
Foto: Bundespräsidialamt

Zurück zur Übersicht