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Ein Nachmittag an der Dahme

Ausrichter des diesjährigen Landesverbandstags Berlin-Brandenburg waren die Marinekameradschaften (MK) 1990 Berlin-Köpenick e. V. und Berlin 1886 e. V. Das Treffen fand im Kameradschaftsheim der Köpenicker statt. Dieses bot, an der Dahme gleich gegenüber dem Schloss zwischen Dahmebrücke und Yachthafen gelegen, eine wunderschöne maritime Kulisse.

Neben Spree und Havel ist die Dahme der dritte, weniger bekannte, große Fluss, der Berlin mit seinen Wassern speist. Ihr verzweigter Verlauf mit grün bewaldeten Ufern, die sich immer wieder zu Seen weiten, bietet Wassersportlern und Erholungssuchenden vielfältige Möglichkeiten.

Delegierte der beiden oben genannten MK sowie der MK Rathenow und des Freundeskreises Einsatzgruppenversorger Berlin stellten sich gemeinsam mit Gästen und geladenen Einzelfahrern einer 23 Punkte umfassenden Tagesordnung. Einleitend überbrachte unser Vizepräsident, Kapitän zur See d. R. Karl-Dietrich Haase, Grußworte des Präsidiums und informierte über aktuelle Entwicklungen und Angebote im Deutschen Marinebund (DMB). Seine Anregung, im Marine-Ehrenmal in Laboe eine Erinnerungsstätte für Seebestattungen einzurichten, fand bei den Anwesenden wohlwollende Aufnahme. Neben den vereinsrechtlich üblichen Berichten der Kameradschaften, des Vorstands und dessen Entlastung, standen Neuwahlen und ein Vortrag des Oberstleutnants a. D. Hans-Hermann Söchtig auf dem Programm.

Söchtig war bis zum letzten Jahreswechsel Leiter der Deutschen Dienststelle (WASt) in Berlin. Diese in Nachfolge eines 1914 gebildeten Zentralen Nachweisbüros und der Genfer Konvention von 1929 stehende Dienststelle, verwahrt bis heute Karteien, Akten und Daten über Soldaten des Heeres, der Luftwaffe und der Marine sowie Kriegsgefangene aus beiden Weltkriegen. Allein die Zentralkartei umfasst 18 Mio. Personendaten und bietet Zugang zu 5 Mio. Wehrstammbüchern, 10 Mio. personenbezogene Einzelunterlagen, insbesondere Krankendaten, und zu vielen weiteren. Eine Zentralgräberkartei mit 4,5 Mio. Personendaten, zudem Gräberlisten, Umbettungsprotokolle und Meldungen über Kriegsgefangene und Vermisste helfen bis heute Hinterbliebenen bei der Aufklärung des Schicksals ihrer Angehörigen. Der frühere Luftwaffenoffizier Söchtig nahm die Anwesenden mit auf eine fesselnde Reise durch die Geschichte vom Kaiserreich, über die Weimarer Republik, das Dritte Reich, die unterschiedlichen Interessenlagen der westlichen Besatzungsmächte Berlins nach dem Kriegsende – die fast zur Vernichtung der Unterlagen geführt hätten – bis in die jüngeren Entwicklungen seit der deutschen Einheit. Die Deutsche Dienststelle (WASt) hat in den letzten Jahren eine umfangreiche Strukturänderung, verbunden mit einem Abschmelzen der Beschäftigtenzahlen erfahren. Diese und weitere Maßnahmen sollen die Deutsche Dienststelle darauf vorbereiten, noch in diesem Jahr aus der Verwaltung des Landes Berlin in das Bundesarchiv als dessen neue Abteilung überführt zu werden. Trotz dieser internen Umwälzungen erledigen die Beschäftigten mit hoher Motivation jährlich u. a. über 36.000 Auskünfte und mehr als 90.000 Bearbeitungsfälle. Mit der Überführung werden auf das Bundesarchiv völlig neue Aufgaben im Zusammenwirken mit der Kriegsgräberfürsorge, den Standesämtern, internationalen Organisationen und Hinterbliebenenverbänden zukommen.

Nach dem Vortrag bot der vom LV gesponserte Eintopf eine willkommene Stärkung. Bei den Wahlen wurden Bert Krüger zum Stellvertretenden Landesverbandsleiter, Bernd-Rainer Teteberg zum LV-Schatzmeister und Barbara Kebelmann zur LV-Schriftführerin gekürt. Für die zuvor unbesetzte Stelle des LV-Beisitzers für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ließ sich der anwesende Einzelfahrer Roland Handke-Lucht gewinnen. So erwiesen sich die Einzelfahrer des DMB einmal mehr als zu erschließende Reserve für die Verbandsarbeit (siehe auch in Leinen los 5/2018, S. 35).

Nächste Gelegenheit für Begegnungen bieten sich u.a. beim Totengedenken für die Gefallenen der Bundeswehr und die Toten der See am 24.08., dem Tag der offenen Tür im BMVg am 25./26.08., dem Totengedenken am 17.11. auf dem Lilienthalfriedhof in Berlin-Neukölln oder der Messe Boot & Fun am 28.11. – 02.12. sowie zu den monatlichen Treffen der Marinekameradschaften. Bis dahin bleibt, insbesondere den Angehörigen der MK 1990 Köpenick für ihre herzliche Gastfreundschaft zu danken.

Text: Roland Handke-Lucht
Fotos: Ronald Kebelmann und Roland Handke-Lucht

Nach seinem Vortrag erhält Oberstleutnant a. D. Hans-Hermann Söchtig zum Dank aus den Händen des LV-Leiters, Direktor a. D. Horst W. Janßen, einen Band über 125 Jahre Deutscher Marinebund mit einer Widmung.

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