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Hauptsache nicht in den Müll

Vor einigen Jahren hatte der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Marinebunds (DMB), Alexander Hub, auf einer Haushaltsauflösung ein Modell des Schnellboots JAGUAR entdeckt. Der damalige Besitzer war gerade im Begriff, mit seinem Wohnmobil nach Südfrankreich auszuwandern und hatte es nicht übers Herz bringen können, das von seinem Vater angefertigte und fernsteuerbare Schiffsmodell zu entsorgen. Bis dato hatte es bereits viele Jahre im Keller gelegen und befand sich in einem bedauerlichen Zustand. Unter einer dicken Staubschicht verbargen sich Beulen, Risse und andere Beschädigungen. Die Elektronik funktionierte schon lange nicht mehr – der Gesamtzustand war ein Totalschaden. Was aus Modell werden sollte, war dem Besitzer im Grunde egal, „Hauptsache, es kommt nicht in den Müll“.

Als Schnellbootfreund mit ehemaligen Kommandierungen an Bord der Schnellboote HYÄNE und BUSSARD während seiner Dienstzeit bei der Deutschen Marine, fand Alexander Hub schnell Gefallen an dem Modell. Ohne einen konkreten Plan, geschweige denn den nötigen Fertigkeiten stellte Hub das Modell zunächst in seinen Schuppen, allerdings mit dem guten Vorsatz, den ehemaligen Besitzer nicht zu enttäuschen.

Zu den Ausstellern, die anlässlich der 125-Jahrfeier des DMB am 10. September 2016 nach Laboe gekommen waren, gehörte unter anderem die Modellbaugruppe der Marinekameradschaft Neustadt i.H. Die Kinder und Jugendlichen präsentierten dort stolz ihre selbst gebauten Schiffsmodelle. In den mit Hilfe der Pioniere der Bundeswehr aus Husum aufgebauten Wasserbecken konnten sie ihre Modelle direkt vor dem Technischen Museum U995 fahren lassen. Für viele Besucher war die Modellbaugruppe der Publikumsmagnet an diesem Tag. 125 Jahre DMB

Im Gespräch mit Michael Weber, dem Vorsitzenden der Marinekameradschaft (MK) Neustadt i.H., berichtete Hub von seinem alten, verstaubten Schnellboot Modell, worauf Weber anbot, dies gemeinsam mit seiner Modellbaugruppe zu restaurieren.

Im November 2017 wurde das Schnellboot JAGUAR an die Modellbaugruppe übergeben. Ohne eine Ahnung, wie viel Zeit eine solche Restaurierung in Anspruch nehmen könnte, staunte Alexander Hub nicht schlecht, als er das Schiffsmodell am 9. Januar 2018 von Michael Weber, Rolf Günther, Mitglied der MK und Wilhelm Maschke, Ausbilder der Modellbaugruppe, zurück erhielt. Noch mehr staunte er allerdings über das Ergebnis. Die alte JAGUAR erstrahlte in neuem Glanz.

Die Modellbauer hatten das Boot zunächst vom Jahrzehnte alten Staub und Spinnweben befreit. Anschließend hatten sie den Rumpf gespachtelt und geschliffen sowie das Oberdeck ausgebessert. Die innenliegende Technik mussten sie komplett erneuern. Zum Schluss bekam die JAGUAR einen frischen Anstrich mit dem originalgetreuen Marinegrau (Fehgrau bzw. RAL 7000). Mehr als 40 Arbeitsstunden haben Wilhelm Maschke und Roman Depaoli gebraucht, um die feinen Modellarbeiten durchzuführen. Ergänzt durch raffinierte Details, haben die beiden Modellbauer aus einem Stück Kohle einen Diamanten gefertigt.

Stolz und aufgeregt wie ein Schuljunge zu Weihnachten nahm Hub das Modell in Empfang und bekam noch Fernsteuerung, Akkus und Ladegerät dazu. Für die Restaurationskosten kam Hub privat auf und schenkte jedem Mitglied der Modellbaugruppe zum Dank noch einen Plastikmodellbausatz eines Hafenschleppers inklusive Klebstoff und Lack – für weitere kurzweilige und spannende Modellbauarbeiten in der Marinekameradschaft Holstein i.H.

Zum Schiffsmodell

In der Zeit von 1957 bis 1973 war das Schnellboot JAGUAR (Bundeswehr Kennung S1 bzw. NATO Kennung P 6059) im Dienst der Bundesmarine (heute Deutsche Marine) und gehörte zur gleichnamigen JAGUAR-Klasse (Klasse 140).

Text: J. Tresp,  A. Hub, Deutscher Marinebund
Fotos: Wilhelm Maschke, MK Neustadt i.H.
Foto Übergabe: Deutscher Marinebund

Eine der vielen Macken.

Beginn der Spachtel- und Schleifarbeiten am Rumpf des Modells.

Das Innenleben des Styroporrumpfs wurde vollständig entkernt und erneuert.

Der nach dem Vorbild des Originals fertig lackierte Rumpf.

Roman Depaoli während der finalen Restaurationsarbeiten am Modell.

v.l.n.r. Michael Weber, Vorsitzender der MK Neustadt i.H., Wilhelm Maschke, Ausbildungsleiter der Modellbaugruppe und Roman Depaoli, Jugendmitglied, während der Restaurationsarbeiten des Modells.

Übergabe des Modells von Wilhelm Maschke an Alexander Hub am Marine-Ehrenmal in Laboe.

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