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Marinekameradschaft Homburg in Verdun

Vor kurzem machten sich Mitglieder der Marinekameradschaft (MK) Homburg und Angehörige ein Bild vom Schlachtfeld des Ersten Weltkrieges nahe der heftig umkämpften Stadt Verdun in Lothringen, Frankreich.

Ein erster Halt galt dem eher kleineren Fort de Vaux, dessen heutiger von Trichtern übersäter Zustand auf die verheerenden deutschen Bombardierungen von 1915/16 zurückgeht. Über eine Treppe gelangt man auf die Reste des zweistöckigen betonierten Kampfraumes der Festung. 2,50 m dicke Mauern und eine 1,77 m dicke Stahlbetondecke schützten die Maschinengewehrstände. MK-Mitglied Oberst d. Reserve Michael Germann übernahm die Führung der Gruppe und erläuterte sachkundig zahlreiche Details der besichtigten Bauwerke.

Nächstes Ziel war das Mémorial de Verdun – zugleich Museum und Gedenkstätte für die Schlachtfelder von Verdun. Ein Rundgang bot im Erdgeschoss Einblicke in die Erfahrungen von Soldaten an der Front, begleitet von Alltagsgegenständen in den umgebenden Schaukästen. Im ersten Stock sind die Hintergründe des Krieges in den beteiligten Staaten dargestellt. Interessante Exponate wie z.B. Flugzeuge, LKW und Geschütze geben einen nachhaltigen Eindruck der damaligen technischen Entwicklung.

Vorbei am Ossuaire de Douaumont – dem Beinhaus – ging es zunächst zum Fort de Douaumont. Das Fort war das größte Bauwerk der äußeren Verteidigungslinie Verduns. Das doppelstöckige halbunterirdische Fort mit Kaserne, Kasematten, tunnelartigen Gängen und Bastionen aus Kalksandsteinmauerwerk wurde später mit Stahlbeton verstärkt. Die MK Homburg besichtigte einige der an den Gängen liegenden Räume und gelangte anschließend  zum versenkbaren 155 mm Galopin-Geschützturm mit seinen beeindruckenden Dimensionen.

Als nächstes stand das Beinhaus von Douaumont auf dem Programm. Nach einer Filmvorführung erstieg die Reisegruppe den 46 m hohen Turm der nationalen französischen Grabstätte, in der die Gebeine von über 130.000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten aufbewahrt werden. Die Grabstätte erinnert mit ihrer Form an einen tief im Boden steckenden Schwertknauf. In der Decke des Eingangsbereichs findet sich eine Gravur zum Gedenken an das 1997 aufgelöste 99. französische Infanterieregiment, das unter seinem vor 1791 geführten Regimentsnamen Royal Deux Ponts weltgeschichtliche Bedeutung erlangte. Das von Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken aufgestellte und an König Ludwig XVI. vermietete Zweibrücker Infanterieregiment – ausgeliehen an General Washington – erstürmte im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1781 die von zahlenmäßig überlegenen Engländern gehaltene Redoute 9 von Yorktown und trug so zur Kapitulation der Engländer bei. Angeworben wurden die Soldaten auch auf dem historischen Marktplatz von Homburg.

Vorbei am Monument aux morts israélites starteten die Mitglieder der MK Homburg zu einem 4,6 km langen Marsch, der sie von den Resten der Festungsanlage Thieaumont über die zerstörten Unterstände PC 118, PC 119, PC 120 zum Festungswerk Froideterre (Kalte Erde) führte. Von der kleinen 12 m tiefen Galerie einer Truppenunterkunft mit ihren vier Kaminen – L’abri des 4 Cheminées – führte der Weg zunächst ins bewaldete Tal hinab. Beim Anstieg auf der anderen Seite kamen die Wanderer auf dem Weg zum Bus durch das 1916 völlig zerstörte Dorf Fleury-devant-Douaumont, an das nur noch eine wiedererrichtete Kapelle erinnert.

Der Tag hat nicht nur denen, deren Vorfahren im Ersten Weltkrieg in Frankreich kämpfen mussten, ansatzweise gezeigt, was die Soldaten an der Front auszuhalten hatten.

Text und Foto: Dietrich Peter Kleine

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