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Maritime Wirtschaft braucht eine starke Marine – Podiumsdiskussion mit prominenten Gästen aus Politik, Wirtschaft und Marine

Podiumsdiskussion mit prominenten Gästen aus Politik, Wirtschaft und Marine

Deutschland ist nicht nur drittgrößtes Exportland, sondern auch viertgrößte Schifffahrtsnation der Welt und der deutsche Schiffbau hat einen anerkannten Platz auf dem Weltmarkt. Maritime Wirtschaft und Seetransport sind auf die Marine angewiesen, auch im Hinblick auf Innovationen, Schutz und Aufträge. Wie sieht das Zusammenspiel von Handelsschifffahrt und Marine aus? Wie kommen Marine und Schiffbau zusammen? Welche Synergien gibt es? Welche Rolle muss eine Marine heutzutage einnehmen?

Diesen und weiteren Fragen wurde bei der Podiumsdiskussion „Maritime Wirtschaft braucht eine starke Marine“ von einem hochkarätig besetzten Panel nachgegangen. Zur Veranstaltung am 19. Oktober 2018 hatten der Deutsche Marinebund e. V. und der Verein Maritimes Cluster Norddeutschland e. V. eingeladen.

„Mit der Frage nach der modernen Rolle der Marine für die maritime Wirtschaft haben wir ein hochaktuelles Thema für unsere Podiumsdiskussion. Das zeigt sich auch in der Zusage aller angefragten hochkarätigen Podiumsteilnehmer und der mit rund 300 Teilnehmern gut besuchten, nahezu ausgebuchten Veranstaltung“, so Heinz Maurus, Präsident des Deutschen Marinebundes e. V.

Begleitet von Stefan Hans Kläsener, Chefredakteur Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag GmbH & Co. KG, als Moderator diskutierten Daniel Günther, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, Norbert Brackmann, Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Vizeadmiral Andreas Krause, Inspekteur der Marine, Dieter Rottsieper, COO Privinvest Holding, Christian B.W. Stuve, Senior Vice President und Leiter Regierungsbeziehungen bei der thyssenkrupp Marine Systems GmbH.

Die Marine ist ein ganz wichtiger Nachfrager für die maritime Wirtschaft

„Wir wollen eine starke Marine und eine starke maritime Wirtschaft. Beides bedingt teilweise einander“, sagte Daniel Günther in seinem Eingangsstatement. Er hob die Rolle der Marine als wichtigen Nachfrager in der Wehrtechnik und für die maritime Wirtschaft hervor und verwies auf die Wertschöpfung, die im Land spürbar sei. Dabei gehe es um Schleswig-Holstein als industriellen Standort und um marine Hochtechnologie, die weltweit nachgefragt werde. Nicht zuletzt würden die Aufträge der Marine gebraucht, um das Know-how und die Schlüsseltechnologie in Deutschland zu halten und um Innovationen zu ermöglichen.

„Ich will das nicht auf Wehrtechnik verengen. Ich will, dass Meerestechnik und Schiffbau in ihrer gesamten Breite in Schleswig-Holstein eine Zukunft haben. Die gesamte Branche hat ein riesiges Innovationspotenzial“, so der Ministerpräsident. Und das gelte ausdrücklich nicht nur für Schleswig-Holstein, sondern für ganz Deutschland.

Der Marineschiffbau ist ein zentraler Bestandteil der maritimen Wirtschaft

Auch Norbert Brackmann betonte Deutschlands Interesse an einer leistungsstarken und wettbewerbsfähigen Marineindustrie und zwar sowohl im Hinblick auf die volkswirtschaftliche Entwicklung, für die die Bundesregierung verlässliche Rahmenbedingungen schaffe, als auch vor dem Hintergrund zunehmender sicherheitspolitischer Herausforderungen.

„Der Erhalt sicherer Seewege ist für ein Land wie Deutschland, das stärker in die globalen Wertschöpfungsketten integriert ist als kaum ein anderes Land auf dieser Erde, von essentieller Bedeutung. Hinzu kommen Konfliktherde in der Peripherie Europas – mit teils erheblichen Auswirkungen auch für uns direkt“, so der Koordinator für die maritime Wirtschaft. Deutschland brauche eine starke Marine und einen Marineschiffbau, der diesen Entwicklungen Rechnung trage. Das erfordere höhere Anstrengungen Deutschlands und Europas insgesamt, vor allem auch bei den Verteidigungsausgaben und der besseren Ausrüstung der Bundeswehr sowie in der europäischen Rüstungszusammenarbeit.

Die Deutsche Marine wird und muss wieder wachsen

Deutschland verfüge heute über die zahlenmäßig kleinste Marine seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland, erklärte Vizeadmiral Andreas Krause. Dagegen sei die Auftragslast der Marine durch internationale Einsatzverpflichtungen und internationales Krisenmanagements signifikant angestiegen. „Wir brauchen jederzeit die höchstmögliche Zahl an einsatzbereiten Einheiten“, so Krause. Dies machten das sicherheitspolitische Umfeld sowie der Schutz der globalen Handels-, Informations- und Versorgungswege zwingend erforderlich.

„Die Entscheidung der Bundesregierung, den Wehretat in den kommenden Jahren schrittweise zu erhöhen, ist die folgerichtige Konsequenz daraus. Hieran muss zwingend festgehalten werden, um den notwendigen Modernisierungskurs der Deutschen Marine über die nächste Dekade sicherzustellen“, sagte der Vizeadmiral. Hierfür brauche die Marine eine starke maritime Industrie als verlässlichen Partner.

Die Marine treibt Innovationen in der maritimen Wirtschaft voran

Als Vertreter einer auf Militärschiffe spezialisierten Werft unterstrich Dieter Rottsieper die Wechselbeziehung zwischen maritimer Wirtschaft und Marine. Der militärische Schiffbau leiste trotz jahrelangem Schrumpfungsprozess einen großen Beitrag zur Wertschöpfung in Deutschland. Das Bundeswirtschaftsministerium beziffert das jährliche Umsatzvolumen des Sektors auf bis zu 50 Milliarden Euro. Rund 400.000 Arbeitsplätze sind direkt oder indirekt von der maritimen Wirtschaft abhängig.

„Gleichzeitig ist der militärische Schiffbau ein Treiber der Innovation. Doch nur, wenn die Werften genügend Aufträge der heimischen Marine erhalten, können sie sich technologisch weiterentwickeln und ihre Konkurrenzfähigkeit auf Dauer sicherstellen“, sagte Rottsieper und warb dafür, den gesamten Marineschiffbau zur schützenswerten Schlüsseltechnologie zu erklären. Mit Blick auf die künftigen Herausforderungen Deutschlands zeige sich außerdem, dass die hiesige Marineindustrie einen großen Beitrag zur Sicherheit Deutschlands leiste und das Vorhandensein hochmoderner und funktionstüchtiger Werften an Nord- und Ostsee von sicherheitspolitischer Bedeutung sei.

Eine starke Marine braucht eine starke maritime Wirtschaft

Christian Stuve stellte die Bedeutung der Marineschiffbauindustrie als Ausrüster der Deutschen Marine in den Fokus seiner Betrachtung und bezeichnete das Zusammenspiel von Marine und maritimer Industrie als unverzichtbaren Bestandteil einer glaubwürdigen deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. „Deutschland verfügt über eine global agierende leistungsfähige Marineschiffbauindustrie von strategischer Bedeutung. Diese gilt es auch zum Vorteil der Deutschen Marine zu erhalten“, so Stuve. Nur der Erhalt der Systemfähigkeit in Deutschland garantiere jederzeit den uneingeschränkten Zugriff auf anerkannte Hochtechnologie.

Stuve plädierte dafür, die Vergabe von deutschen Marineaufträgen im Inland zu belassen und darüber hinaus zusätzliche Exportprojekte zu vergeben, um die deutsche Marineindustrie und ihre meist mittelständischen Zulieferer auszulasten. Nur eine eigene leistungsfähige, global agierende Marineindustrie könne die strategisch wichtigen Schlüsseltechnologien am Standort Deutschland nachhaltig und dauerhaft absichern.

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