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MS BLEICHEN schippert durchs Heimatrevier

Am 06. April 2014 wurde die Hauptmaschine der BLEICHEN zum ersten Mal nach langer Zeit wieder gestartet. Eine Einspritzdüse war nicht ganz dicht, sonst gab es keine Probleme.

Seit einem Werftaufenthalt im Jahr 2015/16 ist die MS BLEICHEN fahrbereit. Mit drei Millionen Euro aus Bundesmitteln konnte das Museumsschiff wieder flott gemacht werden. Die MS BLEICHEN ist ein traditioneller Stückgutfrachter mit einem charakteristischen eigenen Ladegeschirr. Eigentümerin der BLEICHEN ist die Stiftung Hamburg Maritim. Als fahrbereites Museumsschiff liegt die 1958 gebaute MS BLEICHEN im Hamburger Hafenmuseum am Bremerkai.

Die Nobiskrug Werft in Rendsburg entwickelte in den 1950er Jahren mittelgroße Frachtschiffe mit hinten liegender Maschine und Brücke mittschiffs. Die Werft baute in den Folgejahren eine ganze Serie ähnlicher Schiffe, von denen nur die 1958 gebaute BLEICHEN erhalten geblieben ist.

Gebaut wurde die BLEICHEN für die Reederei H.M. Gehrckens. Das traditionelle Fahrtgebiet der ehemaligen Reederei Gehrckens war die Ostsee. Um im Winter die Ostsee ohne die Hilfe von Eisbrechern befahren zu können, wurde die BLEICHEN dem Fahrtgebiet entsprechend so konstruiert, dass sie die höchste finnische Eisklasse erhielt.

In der Silhouette des Schiffes wurde die charakteristische Linienführung des weit überfallenden Bugs mehrfach wieder aufgegriffen. Diese findet sich vom Peildeck schräg nach achtern herunterlaufend, in den seitlichen Abstützungen des Bootsdecks und sogar in der Buchstabenneigung des Schiffsnamens am Bug wieder.

Von Hamburg ausgehend transportierte die BLEICHEN Stückgut nach Schweden und Finnland. Die Rückladung nach Hamburg bestand aus Papierrollen und Holz. Eine Reise Hamburg – Finnland – Hamburg dauerte 14 Tage. Machte die Eislage das Anlaufen der skandinavischen Häfen unmöglich, fuhr die BLEICHEN stattdessen in Richtung Süden und brachte Tropenholz („Logs“), Kakaobohnen oder Erdnüsse von Westafrika nach Hamburg.

1970 wurde die BLEICHEN an italienische Eigner verkauft und in CANALGRANDE umbenannt. 1979 gelangte das Schiff in den Besitz eines türkischen Reeders, der es unter dem Namen ARCIPEL im Mittelmeer und im Schwarzen Meer einsetzte.

Der türkische Reeder, dessen Familie das Schiff 28 Jahre lang besaß und betrieb, hatte große Hochachtung vor der deutschen Technik und achtete darauf, die bewährten Bordsysteme intakt zu halten. Ihm ist es zu verdanken, dass das Schiff trotz seines Alters in weiten Teilen unverändert und in relativ gutem Zustand geblieben ist.

1993 erfolgte die Umbenennung in OLD LADY. Heimathafen war zuletzt Moroni, die Hauptstadt der Komoren, einer Inselgruppe vor Ostafrika. An dem Fahrtgebiet und der Ladung, überwiegend Massengut, änderte sich bis zu ihrem Verkauf im Dezember 2006 jedoch nichts.

Durch eine Spendenkampagne konnte die Stiftung Hamburg Maritim im letzten Moment die erforderliche Kaufsumme aufbringen und so ein Verschrotten der OLD LADY verhindern.

Nach kurzem Werftaufenthalt in der Türkei wurde die OLD LADY im Januar 2007 von ihrer türkischen Besatzung nach Hamburg gebracht. Nach 17-tägiger Reise mit starkem Sturm legte sie unter eigener Kraft und über die Toppen geflaggt im Hafenmuseum Hamburg an.

Für die Instandhaltung und den weiteren Betrieb als Museumsschiff wurde der Verein „Freunde des Stückgutfrachters MS BLEICHEN e.V.“ gegründet. Viele Mitglieder, darunter ehemalige Seeleute und alte BLEICHEN-Fahrer engagieren sich im Verein für die Instandhaltung und übernehmen Aufgaben wie die Besucherführungen und den Wachbetrieb. Langwierige und arbeitsintensive Restaurierungsaufgaben wurden und werden vom Verein „Jugend in Arbeit Hamburg e.V.“ durchgeführt.

Die BLEICHEN sollte nicht nur als Museumsschiff an den 50er Schuppen liegen, sondern wieder in Fahrt kommen. Geplant sind auch wieder Reisen in ihr altes Fahrtgebiet Ostsee.

Probe- und Abnahmefahrt

Am 24. Oktober 2017 wurde auf der Elbe die Probe- und Abnahmefahrt der MS Bleichen erfolgreich durchgeführt. Das Schiff bekam die volle Klassifikation des DNV-GL (internationale Schiffsklassifikationsgesellschaft).

Der ursprüngliche Taufspruch von 1958 war noch vorhanden und wurde erneut verlesen: „Wo die Werft dich gut gebaut – Wo der Reeder dir vertraut – Und sich viele Hände regen – Wünsche ich dir zum Geleit – M.S. Bleichen Glück und Segen – und Bewährung alle Zeit!“

60 Jahre nach Indienststellung, nach 11-jähriger Restauration, geht der Stückgutfrachter MS Bleichen wieder auf Fahrt. Oft kommt es nicht vor, doch ein paar Mal im Jahr wird die BLEICHEN die alte Maschine anwerfen und sich auf den Weg machen.
Die Tour nach Rendsburg wurde aus historischem Anlass unternommen.  Am 28. August 1958, also vor 60 Jahren, wurde die BLEICHEN bei der Nobiskrug Werft vom Stapel gelassen. Am 25. August 2018 um 10:00 Uhr hieß es für die Besatzung der BLEICHEN „Leinen los und ein“. Auf Höhe Lotsenhaus kam der Elbe-Lotse an Bord. Unterwegs hingen die Wolken tief und es regnete ab und zu.

Während der Fahrt erhielten die Passagiere spannende Einblicke in alle Bereiche des Schiffes, denn Kommandobrücke, Maschinenraum, Rudermaschine, Luken und Decksflächen standen zur Besichtigung offen. Die meiste Zeit allerdings liegt die BLEICHEN ruhig und still zur Besichtigung im Hamburger Hafenmuseum.

Text: Kurt-Ewald Finke

Im Regen macht die BLEICHEN in der großen Schleusenkammer Brunsbüttel fest. Foto: Kurt-E. Finke

19:00 Uhr: Die BLEICHEN passiert die Kanalweiche „Fischerhütte“. Foto: Kurt-E. Finke

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