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Revierfahrt auf der MAIN

Auf dem Tender MAIN ist man gegen jede Art von Ernstfall gewappnet. Damit dies auch so bleibt, wird die Besatzung regelmäßig in den verschiedensten Szenarien geschult. Beispielsweise beim Fahren in engen Gewässern, wie es bei der sogenannten Revierfahrt der Fall ist, denn dort kann bereits ein kleiner Fehler fatale Auswirkungen für Boot und Besatzung haben. Dieser Herausforderung stellen sich das Brückenteam, insbesondere die Navigation und der fahrende Wachoffizier (WO) dieses Mal in der vielbefahrenen Kieler Förde.

Mit dem Befehl „Revierfahrt auslösen!“ herrscht Stille auf der Brücke, die nur noch durch die Meldungen der einzelnen Stationen unterbrochen wird. Jeder an Bord geht auf seinen Posten. Im Rudermaschinenraum ist man bereit, notfalls das Ruder vor Ort zu bedienen, sollte dies von der Brücke aus nicht mehr möglich sein. Die Anker sind klar zum Fallen, denn bevor der Tender bei einer Störung im Flachwasser auf Grund läuft, ankert er am Rande des Fahrwassers.

Zusätzlich wird der sogenannte Kriegsmarschverschlusszustand ausgelöst: Sollte es nun zu einem Leck kommen, sind die Schotts, also die wasserdichten Türen, geschlossen. Somit können größere Schäden vermieden werden.

Auf der Brücke werden nun Informationen wie ein Spielball von Station zu Station geworfen. Die Navigation berät an der elektronischen Seekarte und dem Radar. Zusätzlich peilen eingeteilte Soldaten markante Objekte an Land an, um die Position des Bootes auch ohne GPS zu ermitteln. Ein Offizier besetzt die zweite Radarkonsole und meldet dem fahrenden Wachoffizier alle Schiffe und Boote, die dem Tender entgegen kommen oder ihn überholen wollen. Aus all diesen Informationen erstellt der WO ein Lagebild. Er prüft, ob sich das Boot noch auf dem geplanten Weg „on track“ befindet oder seitlich daneben; wie lange noch auf dem aktuellen Kurs gefahren wird und ob es auf diesem oder dem folgenden Kurs andere Schiffe gibt, auf die man reagieren muss. All dies muss auch dem Kommandanten des Tenders gemeldet werden.

Unterbrochen wird die konzentrierte Stille nur zweimal: Bei Passieren des Marine-Ehrenmals Laboe und des Uboot-Ehrenmals Möltenort. Bei beiden Stationen wird die „Front“ ausgelöst, die höchste auf See mögliche Ehrbezeigung.

Kurz vor Ende der Förde wendet der Tender und das „Spiel“ beginnt von vorn. Auch wenn innerhalb kürzester Zeit viele Informationen verarbeitet und Entscheidungen getroffen werden müssen, so handelt es sich doch um eine navigatorische Notwendigkeit, um ein eingespieltes und erfahrendes Team auf der Brücke zu haben.

Autor: Paul-P. Schröder
Fotos: Felix Wolpert
Presse- und Informationszentrum, Einsatzflottille 1, Außenstelle Eckernförde

Das bekannte Stadtpanorama Kiels umgibt den Tender.

Mit einem „Front nach Steuerbord!“ wird das U-Boot-Ehrenmal in Möltenort passiert.

Am Ausgang der Förde erwartet der mächtige Turm des Marine-Ehrenmals (MEM) Laboe das auslaufende Boot. Das MEM ist die offizielle Gedenkstätte der Deutschen Marine.

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