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Starke Marine-Präsenz im bayerischen Murnau am Alpenrand

Als im Frühjahr 2018 in der Murnauer Regionalzeitung die erste Ankündigung zum Tag der Bundeswehr (BW) in Murnau erschien, sandte Bernhard Schülein die Zeitungsmeldung sofort an die Vorsitzenden der Ubootkameradschaft (UK) München, Jürgen Weber, und der Marinekameradschaft (MK) München, Sepp Motl.

Nach dem spontanen Echo „Da machen wir natürlich mit!“ ging es Schlag auf Schlag. Die positiven Eindrücke der beiden Vorsitzenden von MK und UK München vom Tag der BW im Vorjahr in Füssen trugen ganz wesentlich zu dieser schnellen Entscheidung bei. Bereits im März 2018 saßen die Münchner beim engagierten Projektteam rund um Major Foisner (der als Wehrpflichtiger noch auf der MEERSBURG im 1. Ubootgeschwader gefahren war) und den für sie zuständigen Hauptfeldwebel Max Kriwogorski in der Kaserne zur Vorbesprechung.

Dann begann die Detail-Planung mit zwei Pavillons: einmal das DMB-Leihzelt und ergänzend dazu das eigene Gemeinschaftszelt der „Münchner Maritimen Vereinigungen“. Eine Fülle von Material wurde bereitgestellt: Acht Uboot-Modelle unter Glashauben, eine große Flagge vom Verband Duetscher Ubootfahrer (VDU), Roll-Ups von VDU und MK München, Flyer und Werbemittel (wie z. B. maritime Bierdeckel) vom VDU, Deutschen Marinebund (DMB), Freundeskreis Fregatte Bayern, den Münchner Maritimen Vereinigungen, das VDU-Magazin „Auftauchen!“ und natürlich diverse Tische, um das Material auch bestmöglich präsentieren zu können. Dazu kamen noch über 700 Taschenbücher „Maritimes von A – Z“ zum Verschenken an interessierte Besucher und Werbematerial der Deutschen Marine. Kurz: Schüleins Hausflur und Büro waren gut gefüllt mit Transportboxen und Kartons. Von der Fülle des von diversen Stellen zur Verfügung gestellten Materials waren Schülein, Weber und Motl selbst überrascht und mussten kurzfristig die Einfahrtsgenehmigung in die Werdenfelser Kaserne von einem PKW auf drei Fahrzeuge erhöhen, die dann am Aufbautag (8. Juni) auch reichlich vollgepackt aufs Kasernengelände fuhren.

Eine besondere Überraschung war die Zusage einer Verstärkung durch drei aktive Ubootfahrer aus dem 1. Ubootgeschwader in Eckernförde. Die Kameraden der Besatzung DELTA und Mitglieder der Ubootkameradschaft U 34/DELTA KptLt Martin David (II WO), OMt Christian Schütt (Navigationsmaat), OMt Manrico Balg (Funkmaat) reisten am Freitag mit ein wenig Verspätung an. Das hinderte aber nicht daran, noch ein frisch gezapftes Einlaufbier und ein zünftiges bayerisches Abendessen in einer der traditionsreichsten Brauerei-Gaststätten Murnaus zu sich zu nehmen.

Leider hatte am späten Freitagnachmittag noch ein heftiges Gewitter mit Hagel, Sturmböen und überschwemmten Straßen über Murnau gewütet. Die Folgen waren am Samstagmorgen zu besichtigen: beide Zelte in Schieflage, im Dach des DMB-Zeltes vier große „Badewannen“ voll Wasser. Als erster vor Ort stand Schülein erst einmal allein vor der Bescherung; da nahte schon der Kasernen-Feldwebel: „Können wir helfen?“ Klar doch! Vier Mann in Flecktarn, drei große Besen und im Nu war das Wasser aus dem Dach gedrückt (ekelhaftes Süßwasser!). Danach begann die Schadensbegrenzung: Obwohl alles mit stabilen Folien großflächig abgedeckt worden war, hatte sich das Wasser stellenweise seinen Weg gesucht. Selbst die stabilen Kunststoffboxen mit Drucksachen waren von unten gewässert.

Die unmittelbar benachbarte überaus hilfsbereite und kameradschaftliche Mann-/Frauschaft vom Karrierecenter der Bundeswehr Berlin hatte eine große leere Transportkiste, die sich als idealer Trockenständer für unsere Folien und Tücher erwies. Inzwischen waren auch Weber und Motl eingetroffen und zur offiziellen Öffnung um neun Uhr sah alles wieder proper aus, wenn auch einzelne Drucksachen noch zum Trocknen auslagen.

Im Laufe des Vormittags trafen zwei uniformierte Reservisten ein, so dass schließlich sechs blau-weiße Uniformträger den Stand betreuten. Das war ein echter Blickfang im weiß-blauen Freistaat. Die Standbelegschaft wurde von Anfang an von Besuchern aller Altersklassen überrollt. Viele Besucher suchten einen fachkundigen Gesprächspartner. Einige Mitglieder der Marinekameradschaft Weilheim, die den Stand ebenfalls mit Werbematerial unterstützt hatte, verstärkten zeitweise sowohl den Marine- als auch den Reservistenpavillon.

Die acht Ubootmodelle und die umfangreiche Literatur waren starke Anziehungspunkte. Die aktiven Kameraden hatten einen Spes Solandri-Rettungsanzug und zwei Laptops mitgebracht: Auf einem wurden Uboot-Videos gezeigt und auf dem anderen konnte ein virtueller Rundgang durch ein Uboot der Klasse 212A (Lernsoftware vom Ausbildungszentrum Uboote) unternommen werden.

Es gab tatsächlich einige junge Männer und Frauen, die sich ernsthaft für eine Karriere bei der Marine interessierten. Diese konnten direkt zum benachbarten Marine-Bus des Karrierecenters „weitergereicht“ werden. Zum Teil ergaben sich erstaunlich ernsthafte Diskussionen: Krankenschwestern formulierten ganz temperamentvoll „Die überstürzte Aussetzung der Wehrplicht war ein gravierender Fehler; das hat auch uns im Gesundheitswesen erheblich geschadet, – wir hätten uns stattdessen eine allgemeine Dienstpflicht für Frauen und Männer gewünscht, mit freier Wahl zwischen Bund und Gesundheitswesen.“ Kommentare in dieser Richtung waren kein Einzelfall, gerade von Frauen aus dem Medizinbereich.

Gegen Ende des Tages waren die Drucksachen fast „ausverkauft“; die 700 Taschenbücher „Maritimes von A – Z“ hatten allesamt neue, interessierte Besitzer gefunden und die DMB-Postkarten zu den Vorzügen von Seeleuten im gemeinsamen Haushalt waren ein Renner. Am Stand der benachbarten Feldpost nutzten Schülein, Motl, Weber und die anderen Unterstützer die Gelegenheit, Postkarten an verhinderte oder kranke Freunde und Bekannte zu senden.

Lobend erwähnt werden muss auf jeden Fall auch die Küche: Sowohl mittags als auch abends bei der „After-Work-Party“ wurden alle bestens versorgt und konnten obendrein noch interessante Gespräche führen. Den Abend beendete leider das „Gewitter vom Dienst“.

Am Morgen danach schien beim gemeinsamen Abbau wieder die Sonne und lockte Motl, Weber und Schülein noch in einen Murnauer Biergarten, wo sie ihre Erfahrungen an diesem Tage der Bundeswehr noch einmal ausdiskutierten.

Jürgen Weber beim Abschieds-Frühschoppen:

„Das war eine runde Sache in Murnau. Neben dem hohen Interesse der Zuschauer hat mich persönlich gefreut, dass auch der Bataillonskommandeur OTL Eckert Freitag und Samstag seine Aufwartung machte und der Inspekteur des Bereiches Cyber- und Informationsraum, Generalleutnant Ludwig Leinhos, an unserem Stand war. Und in einer Stadt mit 12.200 Einwohnern etwas mehr als 12.400 Gäste zu haben, spricht schon für sich. Es hat mir sehr viel Freude bereitet, mit unseren drei aktiven Ubootfahrern, allesamt Mitglieder der UK U-34/DELTA, gemeinsam diesen Informationsstand betreiben zu dürfen. Es würde mich, meine Kameraden von der MK und von der UK München freuen, wenn wir uns im nächsten Jahr beim Tag der Bundeswehr in Wilhelm Bauers Geburtsstadt Dillingen wiedersehen würden.“

In diesem Sinne: Wir freuen uns auf Dillingen 2019!

Text: Bernhard Schülein
Foto: Archiv Jürgen Weber

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