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Taucher unterm Kiel der „Mosel“

„Tauchereinsatz – Tauchereinsatz“, schallt es aus den Schiffslautsprechern. Auf dem Tender „Mosel“ steht die Inspektion des Schiffsrumpfes an. Die Tauchergruppe macht sich bereit für ihren Auftrag in der Tiefe.

Auf dem Tender „Mosel“ stellen Spezialisten sicher, dass die Einheit ihren Auftrag bei der EU-Mission EUNAVFOR Operation „Sophia“ durchführen kann. Die Crew muss dafür sorgen, dass Maschinen oder die elektrischen Anlagen funktionieren. Verborgenes muss kontrolliert und gegebenenfalls gewartet werden.

Prüfender Blick von unten

Eine der spannendsten und körperlich herausforderndsten Aufgaben ist die Kontrolle der Unterseite des Schiffsrumpfes. Dieser Bereich ist nur den Schwimmtauchern der „Mosel“ zugänglich. Sie liefern dem Kommandanten ein realistisches Bild vom Zustand des Schiffes unterhalb der Wasserlinie. Bevor die Taucher ins Wasser gehen, setzt die „Mosel“ ein Flaggensignal. Als Schifffahrtssignal informiert es andere Verkehrsteilnehmer auf dem Wasser, dass hier Taucher bei der Arbeit sind.

Vorbereitung für den Tauchgang

Bevor die Männer der „Mosel“ in Neptuns Reich eintauchen, ist eine gründliche Vorbereitung notwendig. Und ganz am Anfang steht – wie so oft – ein Verwaltungsakt. Der 1. Wachoffizier der „Mosel“, Kapitänleutnant Marina D., muss bei der zuständigen Hafenbehörde anfragen, ob die Taucher ins Wasser dürfen. „Diese Anfrage dient in allererster Linie der Sicherheit unserer Taucher“, erklärt die Offizierin.

Zusätzlich werden die Taucher von einem Speedboot der „Mosel“ unterstützt. In dem Boot sitzt der Einsatzleiter Hauptbootsmann Sven F. und überwacht die Arbeit seiner Männer.

Buddy-Prinzip unter Wasser

Auf der Schanz der „Mosel“ – so bezeichnet man den Bereich unterhalb des Flugdecks – wird der bevorstehende Einsatz Schritt für Schritt durchgegangen. Dafür nimmt sich der Einsatzleiter viel Zeit. „Ihr taucht immer zu zweit und seid dabei über ein Sicherungsseil miteinander verbunden“, sagt der Hauptbootsmann. So kann sichergestellt werden, dass „bei plötzlich auftauchenden Schwierigkeiten sofort eine helfende Hand vor Ort ist.“ Im Anschluss geht der Einsatzleiter mit seinen Tauchern nochmal die unterschiedlichen Rettungsmanöver durch.

Damit die Taucher nicht wie überdimensionierte Frösche über die „Mosel“ tapsen müssen, wird die Ausrüstung zum wartenden Speedboot gebracht. Erst hier legen die Taucher den schweren Teil der Ausrüstung.

Tauchen auf der Unterwasserautobahn

Die Reise unter Wasser beginnt heute am Heck des Stahlriesen. Wie bei der Einsatzbesprechung vorgegeben, werden zuerst das mächtige Ruder und die Schiffsschraube untersucht. Dabei achten die Taucher besonders darauf, ob Schraube oder Ruderblatt Schäden oder Bewuchs aufweisen. Das könnte den Antrieb der ‚Mosel‘ einschränken. Danach geht es auf der „Unterwasserautobahn“ weiter zum Bug des Schiffes.
Helfer bei schlechter Sicht
Nicht immer ist das Wasser so klar wie an diesem Tag. Optimal sind die Sichtverhältnisse zwar nicht, doch knapp fünf Meter sind heute drin. Um sich unter dem Schiff zurechtzufinden, gibt es eine Vielzahl von Markierungen. „Zum einen ist da die Unterwasserautobahn.“ Der Name kommt nicht von ungefähr. „Die weißen Striche erinnern ein wenig an Autobahnmarkierungen. Sie sind entlang der Kiellinie des Schiffes angebracht und helfen uns bei der Orientierung“, erklärt Oberstabsgefreiter Lars B. „An den Seiten finden wir Abschnittsmarkierungen. Daran sehen wir, an welchem Abschnitt des Schiffes wir uns genau befinden. Das macht es für uns einfacher, mögliche Schäden genau zu lokalisieren.“

Akribische Überprüfung

Flossenschlag für Flossenschlag tasten sich die Taucher am rund hundert Meter langen Rumpf des Schiffes nach vorn. Dabei dokumentieren sie akribisch alle auftretenden Beschädigungen. Während ein Taucher den Schaden fotografiert, hält sein Partner eine Hand direkt neben den schadhaften Bereich. „So haben wir eine Bezugsgröße unter Wasser und können später leichter ausrechnen, wie groß der Schaden wirklich ist“, erklärt einer der Taucher, die im Speedboot auf ihren Einsatz warten. Währenddessen inspizieren die Männer unter Wasser die Seekästen, den Bug und die Querschubanlage. Bis auf ein paar Kleinigkeiten macht das Unterwasserschiff der „Mosel“ einen guten Eindruck und das Schiff ist klar zum Auslaufen.

Trainieren für den Ernstfall

Zum Abschluss des Tauchganges hat der Einsatzleiter noch eine Taucherunfallübung angesetzt. Die soll den Soldaten Handlungssicherheit für unvorhergesehene Situationen geben. „Das Handeln in Extremsituationen muss immer wieder trainiert werden, damit im Falle des Falles jeder Handgriff sitzt“, sagt Hauptbootsmann F. Insgesamt zeigt er sich mit der Leistung seiner Männer sehr zufrieden. Zum Abschluss des Tauchereinsatzes wird die Ausrüstung gereinigt und werden die Pressluftflaschen wieder aufgefüllt. Dann tönt aus den Lautsprechern das Signal „Tauchereinsatz beendet“ und die Signalflaggen werden wieder eingeholt.

Autor: 

Die Taucher unterstützen sich gegenseitig beim Anlegen der Ausrüstung. Quelle: Bundeswehr/Christian-G. Fuchs

Die „Unterwasserautobahn“ – Orientierungshilfe für die Taucher. Quelle: Bundeswehr

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