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Tauchgang an der Isar mit Florian Huber

Vor kurzem war Dr. Florian Huber zu Gast bei der Marine- und Ubootkameradschaft München. Dort referierte der 1975 in München geborene Archäologe und Forschungstaucher über das Thema „Tauchgang ins Totenreich – Archäologie unter dem Meeresspiegel“, so lautet auch der Titel eines seiner Bücher. Huber, der seit März 2017 Mitglied im Deutschen Marinebund (DMB) ist, ist einem breiteren Publikum durch Fernsehauftritte, Beiträge für die ZDF-Serie Terra X und zahlreiche Fachbücher bekannt. Die Idee zu dem Vortrag war bereits beim ersten persönlichen Treffen von Florian Huber und dem Vorsitzenden der Ubootkameradschaft (UK) München Jürgen Weber im Februar 2017 in Kiel entstanden. Mit Hilfe des Vorsitzenden der Marinekameradschaft (MK) München Josef Motl fand sich ein gemeinsames Zeitfenster, in dem das Heim der MK in der Münchener Lilienstraße für den Vortrag zur Verfügung gestellt werden konnte.

Nach einer Stärkung mit Leberkäs und Weißbier freuten sich die anwesenden Gäste auf den Vortrag.  Florian Huber begann seine Ausführungen mit einer Schätzung: Rund drei Millionen Schiffswracks befinden sich heute auf dem Grund der Weltmeere. Eines davon ist das frühere Flaggschiff MARS aus der Flotte des schwedischen Königs Erik XIV, das 1564 in einer Seeschlacht zwischen den Inseln Gotland und Öland versenkt wurde. Interessant daran ist die Tatsache, dass die schwedischen Behörden alles – unter anderem sogar mit Hilfe der Exekutive – unternehmen, um unbefugten Tauchern den Zugang zu dieser Stätte von nationaler Bedeutung zu verwehren. Dass man sich so etwas auch für einige Wracks in deutschen Hoheitsgewässern wünscht, war der Reaktion des Publikums deutlich zu entnehmen.

Besonders fasziniert waren alle von der Technik. Huber zeigte ein Gesamtbild des Wracks, dass er aus unzähligen von überlappenden Fotos erstellt hatte. Ebenso eindrucksvoll war auch das 3D-Modell eines geborstenen Geschützes der MARS, das aus Fotos und Videosequenzen zusammengefügt und am 3D-Drucker als Demonstrationsobjekt für ein Museum erstellt wurde.

Beeindruckend waren auch die Bilder der japanischen „Geisterflotte“ von 1944 bei Mikronesien im Pazifik. Huber beschrieb diese Wracks wegen der großen Mengen an Treibstoff und Munition bei abnehmender Stärke der Schiffswände als tickende Zeitbomben für die Umwelt.

Es waren nicht nur die Bilder der Präsentation von Florian Huber, die begeisterten – auch für sein Engagement für den Schutz von Wracks und Kriegsgräbern auf See zollte das Publikum ihm hohen Respekt. Dank seiner Initiative steht das Wrack von UC 71 bei Helgoland heute unter Denkmalsschutz. Aufgrund seiner Anzeige wegen Diebstahls und Störung der Totenruhe müssen sich die niederländischen Taucher, die den Kleinen Kreuzer MAINZ vor Helgoland geplündert hatten, mittlerweile vor Gericht verantworten. Eines der nächsten Projekte werden deutsche Ubootwracks in indonesischen Gewässern sein, die es zu erforschen und zu schützen gilt.

Die MK und die UK München danken Dr. Florian Huber dafür, dass er bei ihnen zu Gast war und lebhaft und mitreißend von seiner Arbeit berichtet hat.

Text und Foto: Jürgen Weber, UK München und Josef Motl, MK München

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