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Tausend Schicksale, ein Ehrenmal

Panorama des U-Boot-Ehrenmals Möltenort von der Wasserseite aus.

Wenn Anna-Lena Schneider Deutsch spricht, hat sie schon fast einen leichten Akzent, denn die 24-Jährige ist viel im Ausland unterwegs. Nach dem Abitur 2013 ist sie in die USA an die Universität Colorado in Boulder gegangen. Seit zwei Jahren studiert sie Geschichte in Portsmouth, England, und arbeitet im National Museum of the Royal Navy. Um einmal einen Einblick in die Arbeit einer Gedenkstätte zu erhalten, macht sie zurzeit ein dreiwöchiges Praktikum im Marine-Ehrenmal und in der Geschäftsstelle des Deutschen Marinebunds in Laboe. In ihrer Freizeit hat sie das U-Boot-Ehrenmal Möltenort besucht und einen Erfahrungsbericht geschrieben.


Vor Kurzem besuchte ich eine Gedenkstätte, die ein wenig im Schatten des Marine-Ehrenmals steht: Das 1930 für die gefallenen U-Bootfahrer der kaiserlichen Marine erbaute U-Boot-Ehrenmal Möltenort ist heute eine Gedenkstätte für die gefallenen U-Bootfahrer aller Deutschen Marinen.

Dem Rundgang über das Ehrenmal ist ein 15 Meter hoher Gedenkstein in Form eines Pfeilers vorangestellt, der ein U-Bootabzeichen und einen bronzenen Seeadler trägt. Der Adler hat eine besonders mächtige Ausstrahlung: seine Flügel sind gespannt und sein Blick ist auf den Horizont gerichtet, als wolle er aufbrechen, um die Meere zu überfliegen.

Vom Gedenkstein geht es nach links hinunter zum Rundgang. Eine schmale Öffnung erlaubt es jeweils nur einer Person zurzeit, den Rundgang zu betreten. Damit soll den Besuchern ermöglicht werden, zumindest den Moment des Betretens der Anlage für sich allein zu haben, um sich gedanklich auf das Folgende einzustellen und bereits eventuell verlorener Angehöriger zu gedenken und ihre einzige Grabstätte an Land zu würdigen.

Auf dem Rundgang ist der Besucher umgeben von Bronzeplatten, auf denen hunderte von U-Booten und tausende Namen verzeichnet sind. Einige Zahlen sind bereits bekannt: Im 1. Weltkrieg starben über 5.000 U-Bootfahrer, im 2. Weltkrieg waren es 30.000. Doch hier im Ehrenmal wird der Besucher direkt mit den Namen der Gefallen, ihren Geburtsdaten, den U-Bootnamen und der Versenkungsursache konfrontiert. Tausend Schicksale von U-Booten oder deren Crewmitgliedern können auf diese Weise erforscht werden.

So findet man auf einer der Bronzeplatten U 156, das 1942 den ehemaligen britischen Passagierdampfer LACONIA versenkte. Werner Hartenstein, Kommandant von U 156, nahm die Schiffbrüchigen auf und ließ sein U-Boot mit einer Rotkreuzflagge kennzeichnen. Allerdings griffen amerikanische Bomber U 156 an, wobei ein Rettungsboot mit Schiffbrüchigen versenkt wurde. U 156 gab daraufhin seine Rettungsmission auf. Später erfolgte der von Dönitz herausgegebene LACONIA-Befehl, der es den deutschen U-Booten untersagte, Schiffbrüchigen zu helfen. Ein Jahr später, 1943, wurde U 156 versenkt, wobei die komplette Besatzung ums Leben kam.

U 852 erzählt eine andere Geschichte. Dieses U-Boot versenkte im 2. Weltkrieg ein griechisches Schiff und beschoss anschließend die Schiffbrüchigen, um seine Spuren zu verwischen. Der Kommandant Heinz-Wilhelm Eck und zwei seiner Offiziere, August Hoffmann und Walter Weißpfennig, wurden dafür nach dem Krieg verurteilt und hingerichtet.

Beide Geschichten sind sehr unterschiedlich und lassen dementsprechend verschiedene Emotionen hochkommen. Tatsache ist jedoch, dass allen deutschen U-Bootfahrern im U-Boot Ehrenmal gedacht wird, unabhängig von ihrer Todesursache oder ihren Taten. So wird auch der Toten der 2. U-Bootlehrdivision gedacht, die am 30. Januar 1945 mit der GUSTLOFF untergingen, nachdem diese von dem sowjetischen U-Boot S-13 torpediert wurde, sowie der Besatzung von U-HAI, das 1966 auf der Doggerbank in der Nordsee sank.

Wie bei anderen Gedenkstätten geht es im U-Boot-Ehrenmal in Bezug auf die Weltkriege nicht um Heldenverehrung oder Selbstmitleid, sondern ums große Ganze. Einzelschicksale werden von anwesenden ehrenamtlichen Mitarbeitern gerne erläutert oder können von den Besuchern nachgefragt werden.

Ein Besuch lohnt sich – vor allem, weil allein schon die Aufstellung des Ehrenmals eine starke Wirkung auf die Emotionen des Besuchers auslösen kann. Wer zudem noch seinen Angehörigen gedenken, oder die verschiedenen Schicksale in Form von U-Bootbezeichnung, Kommandant oder Ursache und Ort der Versenkung erfahren möchte, wird diesen Ort sehr schätzen.

Text: Anna-Lena Schneider
Fotos: Deutscher Marinebund

Die bronzene Platte zeigt einen Grundriss des Ehrenmals mit einer Legende, die die Aufstellung der Gedenktafeln anzeigt.

Auch U-Booten und Crewmitgliedern, die außerhalb der Weltkriege auf See geblieben sind, wird im Ehrenmal gedacht. Diese Gedenktafel wurde für die Toten von U 3, U 18 und U HAI angebracht.

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