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Traumtörn mit der Greif

Norbert Siedentop von der Marinekameradschaft Salzgitter war im Frühsommer 2017 mit dem Segelschulschiff GREIF unterwegs auf der Ostsee. Dieser Törn hat ihn so fasziniert, dass er sogar einen Nachbericht darüber verfasst hat. Viel Spaß beim Lesen:

Am 14.06.2017 war es endlich so weit: Die ehemalige Wilhelm Pieck, heute Segelschulschiff GREIF, liegt in Greifswald Wieck vor mir. Voller Vorfreude und Hochachtung vor der Schonerbrigg gehe ich auf das Schiff zu, um eine der beiden dort sitzenden Personen zu fragen, ob ich jetzt schon meinen Seesack an Bord bringen dürfe. Eigentlich sollte das Ganze erst ab 18:00 Uhr geschehen. „Aber natürlich“, hieß es, und ich konnte einklarieren. Wir stellten uns einander vor und anschließend wurden mir Schiff und Kojen gezeigt. Ich überlegte, welche Koje ich nehmen sollte. In dem recht engen Raum gab es 16 Pullmannkojen und dazwischen hingen Hängematten. Mir war ausreichend Platz und vor allem Frischluft wichtig. Ich bekam den Tipp, mir Mittschiffs eine Koje zu suchen, da der Rumpf dort am ruhigsten im Wasser liegt. Ich entschied mich schließlich für die unterste Pullmannkoje am Niedergang. Dort  hatte ich ausreichend frische Luft, da die Kojentür in der Regel offen stand.

Nachdem ich meine Koje bezogen hatte, konnte ich mir gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin noch einmal das Schiff in aller Ruhe ansehen. Um die Zeit bis zum eigentlichen „Check-in“ um 18:00 Uhr zu überbrücken, fuhren wir nach Greifswald hinein, um am Marktplatz Kaffee und leckeren Kuchen am Marktplatz zu genießen. Um 16:30 Uhr kehrten wir zur GREIF zurück. Ich verabschiedete mich von meiner Lebensgefährtin – wie immer mit einem Kloß im Hals.

Jetzt war ich Crew-Mitglied der GREIF – ein tolles Gefühl. Wir empfingen die anderen und verbrachten einen angenehmen Abend bei einem Gläschen Bier, denn auf Steuerbordseite befand sich eine Zapfanlage mit einem 30 Liter-Bierfass. Am nächsten Morgen begann endlich der erste richtige Törntag mit 7:00 Uhr wecken, 8:30 Uhr Frühstück und 10:00 Uhr Unterweisung. Wer sich traute und wollte, durfte mit einem angelegten Sicherheitsgurt in den Mast klettern und die Segel lösen. Um 10:55 Uhr legten wir ab und fuhren mit Maschinenhilfe in Richtung Nexö auf Bornholm.

Vom Kapitän erfuhren wir die Etappenziele unseres Törns: Nexö auf Bornholm, Danzig in Polen und Visby in Schweden. Ohne Motor segelten wir bei schönstem Wetter mit 1,1 bis 1,6 Konten. Zum Mittag gab es eingelegten Brathering mit Zwiebeln, Kartoffeln und Nachtisch. Der Tag endete mit der ersten von drei Nachtfahrten. Bei mildem Wetter die Sonne untergehen zu sehen, war einfach schön.

In Nexö sollte ein Hafenfest mit Open Ship stattfinden. Neben der GREIF lagen im Hafen noch ein Zwei- und ein Dreimaster aus Polen sowie diverse Segelbote. Auf den zwei polnischen Großschiffen wurde für das Publikum Musik gemacht, was super ankam. Der Ort Nexö war sehr schön anzusehen und der frisch geräucherte Bückling, den ich mir mit Bettina, einer Mitreisenden, geteilt hatte, schmeckte ausgezeichnet. Danach gönnten wir uns noch ein schönes dänisches Eis. Bezahlt habe ich alles mit der Karte, weil wir keine Kronen dabei hatten. Abends gab es an Bord ein frisch gezapftes Bier und dazu Gemütlichkeit und Unterhaltung.

Am anderen Morgen legten wir gegen 10:00 Uhr ab in Richtung Danzig (Polen). Es wurde, wie eigentlich an allen Törntagen, wieder ein richtig schöner Tag und eine schöne Nacht. Anstatt in Danzig in den Hafen einzulaufen, gingen wir in der Nähe vor Anker und genossen eine ruhige milde Nacht. Ich hatte in der Nacht Ankerwache und konnte für einen kurzen Moment eine knallrote Mondsichel sehen. Das war ein Erlebnis.

Am nächsten Morgen ging es nicht nach Danzig, sondern zu der Halbinsel Hel – eine ausgesprochen schöne und saubere Insel, die uns einen tollen Badestrand bot. Einige badeten oder gingen, so wie ich, bis zum Knie ins Wasser. Wir verbrachten eine Nacht im Hafen und fuhren dann weiter in Richtung Visby auf Gotland (Schweden). Es waren schöne Tag- und Nachtfahrten mit teilweise bis zu sechs Windstärken und hoher Dünung, aber wie immer auch mit Sonne. Die Wachen waren im Vier- und Sechs-Stundentakt eingeteilt. Es gab eine Steuerbord- und eine Backbordwache. Außer im Hafen gingen die Wachzeiten von 24:00 bis 4:00, von 4:00 bis 8:00, von 8:00 bis 12:00, von 12:00 bis 18:00 und von 18:00 bis 24:00 Uhr.

Während des gesamten Törns gab es keinerlei Ärger oder Missgunst. Alle halfen sich gegenseitig, in der Freizeit führten die Crewmitglieder viele interessante Gespräche miteinander, spielten Brett- oder Kartenspiele oder genossen einfach nur die Sonne. Es war herrlich und wunderbar für Geist und Seele.

In Visby angekommen, mussten wir zunächst einmal unseren Kapitän davon überzeugen, dass wir einen Tag länger hier bleiben wollten. Es klappte mit unserer Überzeugungskraft. Wir genossen das Wetter und die Darbietungen der Insulaner zur Mitsommernacht, welche gerade begann. Visby ist mit ihren Stadtmauern eine sehr interessante Stadt, die uns alle faszinierte. Entsprechend schwer fiel uns die Abreise am Samstagmorgen gegen 10:00 Uhr. Nun sollte es nach Kalmar gehen.

Wind und Wellen nahmen im Laufe des Tages zu, aber am Ende kam die Sonne wieder hervor. Wir fuhren unter der Brücke hindurch, die vom Festland zu der schönen Insel Öland hinüber führt. Dann sahen wir die Stadt Kalmar und die gleichnamige Festung. Mit den kleinen vorgelagerten Inseln bot sich uns ein schöner Anblick. Wir liefen allerdings nach Kalmar ein, da uns gesagt wurde, dass sich das Wetter verschlechtern sollte. So fuhren mit guter Laune in Richtung Lauterbach auf Rügen, wo wir den letzten Abend fröhlich verbringen wollten. Auf dem Weg dorthin lagen wir noch eine weitere Nacht vor Anker – wieder ein Erlebnis.

Am späten Nachmittag kamen wir in Lauterbach an – wie immer bei super Wetter und mit guter Laune. Der Grill wurde vor der Greif aufgebaut, einige Crewmitglieder holten Fleisch und Wurst und Smutje Lutz hatte Kartoffelsalat zubereitet. Vor dem Essen kletterten Bettina, Michael und ich in den vorderen Mast hoch, bis wir auf der obersten Rah in rund 25 Metern Höhe standen. Anschließend feierten wir das Ende unseres tollen Törns.

Am nächsten Morgen ging es in Richtung Greifswald zum Liegeplatz der GREIF auf der Ryck. Nachdem wir angelegt hatten, ging alles ganz schnell und die normale schnelllebige Welt hatte uns wieder. Seit 1973 fahre ich auf Törns mit – doch dieser war einer der Schönsten und Interessantesten überhaupt.

Text und Fotos: Norbert Siedentop

Die GREIF.

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