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Umweltorganisation gegen Plastikmüll im Meer

Die SEEKUH, das weltweit erste zertifizierte Müllsammelschiff, wurde vor kurzem bei einem großen Empfang der Öffentlichkeit vor Ort in Hongkong präsentiert – unterstützt durch die Deutsche Außenhandelskammer und die weltweit tätige Hongkonger Unternehmensgruppe Li & Fung, die den Empfang im Hongkong Maritime Museum (HKMM) organisiert hat, konnte Günther Bonin sein Konzept der „Maritimen Müllabfuhr“ den etwa 100 interessierten Gästen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft Hongkongs präsentieren. Ziel der medial begleiteten SEEKUH-Aktion in der asiatischen 7,5-Millionen-Metropole ist es, zu mehr Umweltbewusstsein beizutragen und das Konzept der „Maritimen Müllabfuhr“ in Asien bekannt zu machen. Bis Ende März bleibt die SEEKUH noch in Hongkong, Anfang April geht die Reise weiter nach Singapur.

Hongkong sieht sich täglich mit einem Müllaufkommen von mehr als 9.000 Tonnen konfrontiert! Das entspricht in etwa 360 Müll-LKWs hintereinander. Allein geschätzte 5,2 Mio. Plastikflaschen werden dort jeden Tag weggeworfen und viele davon landen früher oder später im Meer. Dementsprechend stark verschmutzt sind die Gewässer und Strände der 7,5-Millionen-Metropole.

Doch geht es nicht nur Hongkong so. Plastikmüll ist weltweit, aber vor allem in Asien, ein gewaltiges Problem. Studien wie jene der Ellen MacArthur Foundation („Rethinking the Future of Plastics“) belegen, dass mehr als 80 Prozent des Plastikmülls, der weltweit in die Meere gelangt, aus Asien stammen. Es geht hier nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Mit mangelhaftem Umweltbewusstsein und einer oft lückenhaften Infrastruktur zur Müllentsorgung hat ein Großteil der Länder dieser Erde zu kämpfen. Stattdessen sollen Lösungen für eines der größten globalen Umwelt-Probleme aufgezeigt und die Problematik vor Ort in Angriff genommen werden.

Die gemeinnützige Umweltorganisation One Earth – One Ocean e.V. (OEOO) aus München, die seit nunmehr sechs Jahren an der Umsetzung ihres Konzepts einer „Maritimen Müllabfuhr“ arbeitet, hat sich deshalb Anfang des Jahres mit ihrer SEEKUH aufgemacht nach Asien. Mitte Januar hat das Müllsammelschiff  – transportiert und gesponsort durch den Logistikkonzern Kühne & Nagel sowie die Reederei  Hamburg Süd, seinen neuen Zielhafen Hongkong erreicht – zerlegt und verstaut in vier Überseecontainern. Der vollständig durch Spenden finanzierte Spezialkatamaran zum Sammeln von Plastikmüll hat eine Größe von etwa 12  x 10 Metern  (L x B) und wiegt knapp acht Tonnen. In drei Tagen montierte das OEOO-Team den Katamaran wieder zusammen. Per Kran wurde er zu Wasser gelassen. Das ungewöhnlich aussehende Schiff aus Deutschland stößt bei den Hongkongern seitdem auf reges Interesse.

Es ist nicht so, dass die Bevölkerung von Hongkong das Problem Plastikmüll nicht erkannt hätte, zahlreiche Initiativen und Aktionsgruppen nehmen sich dem Thema an. Doch sorgen alleine die hohe Bevölkerungszahl und der begrenzte Raum dafür, dass sich das Problem verschärft. Deshalb war es für die Gäste des Empfangs umso interessanter, was Günther Bonin zum Konzept der Maritimen Müllabfuhr und den beiden Spezialschiffen SEEKUH und SEEELEFANT ausführte: „Natürlich kann ein Schiff allein die Welt nicht retten. Es ging uns darum, Entscheidern aus Politik und Wirtschaft vor Ort unser Müllsammelkonzept vorzustellen das vorsieht, mit speziell von OEOO entwickelten Müllsammelschiffen unterschiedlicher Größe  die Meere und Binnengewässer vom Plastikmüll zu befreien.“

In einem ersten Schritt wird der Plastikmüll mit Spezialkatamaranen abgefischt, sortiert und zerkleinert. Dieser wird dann recycelt oder in Öl rückverwandelt. Während Trennung und Recycling des Mülls heute noch an Land erfolgen, plant OEOO in den kommenden Jahren den Bau eines autarken Energieschiffes – dem SEEELEFANTEN. Dieses umgebaute Frachtschiff mit Verölungsanlage an Bord produziert aus dem Plastikmüll Treibstoff und kann diesen entweder an Anrainerstaaten verkaufen oder als mobile Tankstelle auf hoher See dienen. Im Hongkonger Hafen könnte solch ein SEEELEFANT dafür sorgen, die Haus- und Industrieabfälle aus Kunststoff sowie die gesammelten Plastikabfälle aus dem Meer zu recyclen bzw. in Energie umzuwandeln. Aus einer Tonne vorsortierten Plastikmülls lassen sich so ca. 800 Liter schwefelfreies Heizöl rückgewinnen.

Aktivitäten der SEEKUH in Hongkong

Höhepunkt der Reise nach Hongkong war der Empfang im Hong Kong Maritime Museum, zu dem OEOO, die Deutsche Außenhandelskammer in Hongkong und die weltweit tätige Unternehmensgruppe Li & Fung, der die deutsche Kosmetikmarke CD gehört, ein hochkarätiges Publikum aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft sowie Vertreter anderer Umweltorganisationen Hongkongs eingeladen haben. Während Günther Bonin die Organisation und ihr Konzept der „Maritimen Müllabfuhr“ vorstellte, sorgte die SEEKUH direkt vor dem Museum am Central Pier im weltberühmten Victoria Harbour für Aufsehen. Holger Borchert, verantwortlich für die Aktivitäten der Organisation OEOO in Asien, zeigt sich sehr zufrieden: „Zahlreiche interessante Begegnungen und Gespräche an diesem Abend stimmen mich zuversichtlich, unsere Ziele hier in Asien erfolgreich umsetzen zu können. Erstes konkretes Ergebnis sind Gespräche mit dem multinationalen Konzern SWIRE (Fluggesellschaft Cathay Pacific, Immobilien, Hotels, Schifffahrtsdienste, Handel) über eine mögliche Beteiligung von OEOO am 21 Pacific Island Project. Ein wirklich guter Anfang!“

Gemeinsame Strandreinigung in Hongkong

Mit den lokalen Umweltgruppen DB-Green und plastic free seas aus Hongkong fand eine gemeinsame Beach Clean-Up Aktion statt, bei der ein Strandbereich vom Müll gereinigt wurde. Währenddessen sammelte die Seekuh den Plastikabfall aus den Wellen davor. 30 Müllsäcke füllte die Aktion – ein großer Gemeinschaftseinsatz für die lokale Umgebung. Auch mit mehreren anderen NGOs aus Hongkong wird es zukünftig eine enge Zusammenarbeit geben, koordiniert von unseren OEOO-Mitgliedern vor Ort.

Wasseranalyse auf Mikroplastik

An Bord der SEEKUH gibt es ein voll funktionsfähiges Labor mit einem Spektrometer, mit dessen Hilfe Was-serproben analysiert werden können, um nicht nur die Menge des Mikroplastiks festzustellen, sondern auch, um welche Kunststoffe es sich handelt. OEOO-Mikrobiologe Rüdiger Stöhr, der in Hongkong mit dabei war, stellt die Analysen in Kürze auf die Microplastic Pollution Map von OEOO (http://oneearth-oneocean.com/der-verein/microplastic-pollution-map/).

Nächster Stop: Singapur

In den nächsten Wochen finden mit tatkräftiger Unterstützung unseres Hongkonger Heimathafens Hebe Haven Yacht Club zahlreiche Veranstaltungen für Schulklassen statt, die die SEEKUH besichtigen und vor Ort zum Thema Meeresverschmutzung durch Plastik und die laufende „Marine Litter Clean-Up Campaign“ von OEOO informiert werden. Zudem finden mit lokalen Umweltorganisationen Vorträge zur täglichen Vermeidung von Plastikmüll sowie weitere Sammelaktionen statt. Auf zahlreichen Sammelfahrten in den Gewässern rund um Hongkong wird die SEEKUH nicht nur Müll, sondern auch Verschmutzungsdaten sammeln. Unterstützt durch lokale Medien soll sie für mehr Aufmerksamkeit bei der Bevölkerung sorgen.

Der Katamaran bleibt noch bis Ende März vor Ort, um Anfang April an Deck eines Containerschiffes unseres Sponsors Hamburg Süd seine Reise nach Singapur fortzusetzen. Von Mitte April bis Mitte Mai gilt es dann, Politik, Wirtschaft und Bevölkerung Singapurs mit dem Thema und den Bemühungen von OEOO für eine plastikfreie Wasserwelt bekannt zu machen.

One Earth – One Ocean e. V.

Die Umweltorganisation One Earth – One Ocean e.V. mit Sitz in München Garching hat das Ziel, Gewässer vom Plastikmüll, aber auch Öl und Schadstoffen zu befreien. Bereits heute schwimmen auf den Weltmeeren riesige Teppiche aus Plastikmüll, der größte davon im Pazifik ist so groß wie Mitteleuropa, d.h. wie Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen, Luxemburg, Ungarn und Tschechien zusammen. Schreitet die Verschmutzung im derzeitigen Tempo weiter voran, werden die Meere in wenigen Jahren vollständig vermüllt sein.

Gründer von One Earth – One Ocean (OEOO) ist Günther Bonin, ehemals Inhaber einer IT-Firma und passionierter Segler. Seine Vision der „Maritimen Müllabfuhr“ gliedert sich in mehrere Stufen: In einem ersten Schritt wird der Plastikmüll mit speziell von ihm entwickelten Geräten auf den Meeren eingesammelt, sortiert und zerkleinert. Trennung und Recycling des Mülls erfolgt an Land. In einer späteren Phase soll das gesammelte Plastik direkt an Bord von Tankern in Öl rückverwandelt werden. Aus einer Tonne Plastik lassen sich ca. 800 Liter Öl rückgewinnen. Seit 2015 hat Bonin sein IT-Unternehmen umgewidmet in eine AG zur Reinigung von Gewässern, um den Verein administrativ zu unterstützen.

Was wie die Utopie eines Idealisten klingt, nimmt mittlerweile konkrete Formen an. Mehr als 100 Unternehmen und Privatpersonen, darunter die Röchling Stiftung und die Deutsche Telekom AG, unterstützen das Projekt in unterschiedlicher Weise. Auch Thomas Hahn, der bei BMW Oracle das Siegerschiff des America’s Cup mitkonstruierte, unterstützt OEOO bei der Entwicklung der Müllschlucker-Schiffe. Im Frühjahr 2018 ist die SEEKUH vor Hongkong im Einsatz.

2013 wurde One Earth – One Ocean e.V. für sein Konzept der Maritimen Müllabfuhr mit dem renommierten GreenTec Award 2013, Europas größtem Umwelt- und Wirtschaftspreis, ausgezeichnet. 2016 folgte die Nominierung für den Bundespreis ecodesign, der höchsten Auszeichnung für ökologisches Design in Deutschland. 2018 schließlich wurde der Verein für den Ocean Tribute Award von Fürst Albert II. von Monaco nominiert, der die innovativsten und nachhaltigsten Ideen zum Thema Meeresschutz auszeichnet.

Weitere Informationen erhalten Sie unter http://www.oneearth-oneocean.com oder auf der Facebook-Seite unter https://www.facebook.com/pages/One-Earth-One-Ocean/163573257046660

Quelle: One Earth – One Ocean e. V.

Im Frühjahr 2018 ist die SEEKUH vor Hongkong im Einsatz und sammelt Plastikmüll aus dem Meer.

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