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Vom Land zum Meer – Seebataillon probt Evakuierungsoperation in Rostock

Wenn am 3. September 2018 ein Zug des Eckernförder Seebataillons im Rostocker Überseehafen eintrifft, dann haben die Soldaten keine Kreuzfahrt im Sinn. Sondern einen taktischen Auftrag im Gepäck. Die Marineinfanteristen üben gemeinsam mit dem niederländischen Unterstützungsschiff „Karel Doorman“. Deutsche Staatsangehörige und Schutzbefohlene aus befreundeten Staaten befinden sich in einem fiktiven Krisengebiet und müssen evakuiert werden. „Schneller Adler 2018“ heißt die Übung der Division Schnelle Kräfte des Deutschen Heeres.

Rund 60 spezialisierte Kräfte des Seebataillons nehmen daran teil. Bataillonskommandeur ist Fregattenkapitän Axel Meißel: „Die Übung gemeinsamer Evakuierungsoperationen mit der Division Schnelle Kräfte erhält unsere Fähigkeit, europäischen Staatsbürgern auf Abruf weltweit und unter Nutzung der See zu helfen. Dazu ein niederländisches Schiff nutzen zu können, geht nur aufgrund der Verzahnung zwischen Seebataillon und der Königlich Niederländischen Marine, insbesondere dem Korps Mariniers. In dem Szenario trifft das Motto des Bataillons ins Schwarze: Vom Land zum Meer – Vom Meer zum Land. An dieser Schnittstelle zu operieren, dafür sind wir die Spezialisten.“

Das mit rund 200 Metern Länge größte Schiff im Dienst der Königlich Niederländischen Marine wird vom 3. bis 6. September 2018 im Rostocker Überseehafen festmachen. Die Soldaten des Seebataillons trainieren in den folgenden Tagen sowohl die Evakuierung auf ein Schiff im Hafen als auch auf See. Dass sie das gemeinsam können, ist Ergebnis der deutsch-niederländischen Zusammenarbeit, die im Februar 2016 vereinbart wurde. Für die Marine sieht sie unter anderem die operative Integration zwischen dem deutschen Seebataillon und dem niederländischen Korps Mariniers vor, außerdem die gemeinsame Nutzung von Unterstützungs- und Landungsschiffen.

Hintergrundinformationen zur deutsch-niederländischen Kooperation / Seebataillon

Die Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und den Niederländischen Streitkräften geht zurück auf die Absichtserklärung (sog. „Letter of Intent“) der damaligen Verteidigungsministerinnen vom 4. Februar 2016. Sie ermöglichte der Deutschen Marine, den Fähigkeitsaufbau zum gesicherten und weitreichenden Seetransport mit den Niederlanden als Hauptpartner zu beginnen. Die Marine kann von dem niederländischen Joint Support Ship „Karel Doorman“ und Docklandungsschiffen aus operieren und damit den Mangel eigener Einheiten ausgleichen. Zugleich war die Absichtserklärung der Startschuss für eine schrittweise operative Integration des deutschen Seebataillons und des niederländischen Korps Mariniers. Die schlägt sich unter anderem im Personalaustausch und in gemeinsamen Übungen und Verfahren nieder. Bei dem Manöver „Northern Coasts“ im vergangenen Jahr haben das Seebataillon und das niederländische Korps Mariniers bewiesen, dass sie in bestimmten Bereichen bereits problemlos zusammenarbeiten können, damit wurde die sogenannte „Initial Operational Capability“ erreicht. Gemeinsame Einsätze deutscher und niederländischer Soldaten unterliegen aber weiterhin der Kontrolle durch nationale Institutionen.

Im Seebataillon dienen Marineinfanteristen, Minentaucher, Boardingsoldaten und Aufklärungskräfte der Marine. Die gut 800 Soldaten des Eckernförder Verbands decken ein breites Fähigkeitsspektrum ab. Die Minentaucher räumen Kampfmittel an Land und im Wasser, die Soldaten der Bordeinsatzkompanie durchsuchen verdächtige Schiffe oder schützen eigene Einheiten in See vor Angriffen. Die Aufklärungskompanie sucht mit ihren Unterwasser- und Flugdrohnen Küstenabschnitte ab, setzt Feldnachrichtenkräfte und Scharfschützen ein. Die Küsteneinsatzkompanie sichert Häfen oder Strände infanteristisch, schützt Schiffe im Hafen und führt Evakuierungsoperationen an der Schnittstelle See-Land durch. Das Seebataillon gehört zu den international anerkannten Spezialisten der Marine. Um seine anspruchsvollen Aufgaben erfüllen zu können, ist das Bataillon mit modernster Technik ausgestattet, wie gepanzerten Fahrzeugen oder ferngelenkten Unterwasser- und Flugdrohnen.

Militärische Evakuierungsoperationen gehören zur nationalen Krisenvorsorge, für die die Bundeswehr ständig Soldaten in Bereitschaft hält. Sie müssen weltweit alle Orte erreichen können, an denen deutsche Staatsangehörige und gegebenenfalls Bürger anderer Nationen aus Krisen- und Kriegsgebieten unter Einsatz militärischer Mittel evakuiert werden müssen. Evakuierungsoperationen werden in enger Abstimmung zwischen dem Verteidigungsministerium und dem Auswärtigen Amt geplant. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr führt militärische Evakuierungsoperationen.

Hintergrundinformationen zum Ablauf der Übung

3. September 2018: Das Unterstützungsschiff „Karel Doorman“ nimmt im Rostocker Überseehafen den Evakuierungszug des Seebataillons an Bord und verlässt den Hafen gegen 17 Uhr wieder.

4. September 2018: Das Unterstützungsschiff „Karel Doorman“ befindet sich mit den eingeschifften Soldaten des Seebataillons in See. Im Hafen werden abgesetzte Kräfte Evakuierungs- und Sammelpunkte für zu evakuierende Personen erkunden.

5. September 2018: Das Unterstützungsschiff „Karel Doorman“ wird gegen 7 Uhr im Überseehafen festmachen. Im Laufe des Tages werden zu evakuierende Personen im Hafen an Bord des Schiffes gebracht. Das Schiff verlässt den Hafen gegen 17 Uhr.

6. September 2018: Das Unterstützungsschiff „Karel Doorman“ befindet sich mit den eingeschifften Soldaten des Seebataillons in See. Im Laufe des Tages werden zu evakuierende Personen mittels Speedbooten an Bord des Schiffes gebracht. Nach Abschluss dieses Übungsanteils verlässt das Schiff das Seegebiet ohne erneutes Einlaufen in Rostock und beginnt den Transit in seinen Heimathafen.

Quelle: Presse- und Informationszentrum Marine

Holland, Den Helder, Insel Texel, gemeinsame Übung von Niederländischen Marineinfanteristen und Soldaten des Deutschen Seebataillons am 01.11.2016. Foto: Bundeswehr/Christian Thiel

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