headerbild Wir sind Weltbürger.

Was macht eigentlich ein Militärpfarrer an Bord einer Fregatte?

Die Militärseelsorge ist in fast jeder Kaserne zu finden – ein fester Bestandteil, selbst in den Einsatzgebieten weltweit. Doch wie funktioniert Seelsorge auf hoher See? Der evangelische Militärpfarrer Ekkehart W. berichtet über seine Zeit mit den Soldaten auf der Fregatte „Sachsen“, die auf den Weltmeeren unterwegs sind.

Wie sind Sie als evangelischer Geistlicher zur Bundeswehr gekommen?

Ich wurde von meiner Landeskirche gefragt, ob ich mir den Dienst in der Militärseelsorge vorstellen könne. Nachdem ich mich mit meiner Familie beraten hatte, trat ich meinen Dienst an. Ursprünglich war eine Land-Dienststelle für mich vorgesehen. Da für mich auch Seefahrt in Frage kam, erhielt ich letztlich eine Pfarrstelle an der Landesdienststelle Wilhelmshaven.

Worin besteht der Unterschied zwischen ihrer früheren Tätigkeit als Gemeindepfarrer und ihrer Tätigkeit in der Bundeswehr?

Erstens ist die Arbeit in der Bundeswehr die Umkehrung der zivilen gemeindlichen Arbeit. Ist letztere durch eine „Kommen“-Struktur geprägt – man geht zum Pfarrer, zur Kirche und sucht ihn auf – ist die Tätigkeit in der Bundeswehr durch eine „Gehen“-Struktur gekennzeichnet. Ich gehe auf die Soldaten zu, suche sie an ihren Arbeitsorten auf. Ich mache mich bekannt, versuche präsent zu sein. So entsteht eine Vertrauensbasis, in der sich Soldaten an mich mit dem wenden können und sagen was sie bewegt.

Zweitens sind es natürlich die langen Abwesenheitszeiten von der Familie. Ich fahre jedes Jahr zwischen vier und fünf Monate zur See und teile so Freud und Leid der Soldaten auf den Schiffen und Booten der Marine.

Drittens ist es die hohe Akzeptanz und Wertschätzung, die mir von allen Seiten entgegengebracht wird.

Seit Ende November 2017 sind Sie nun im Einsatz. Wie sind ihre Eindrücke vom Bordleben?

Ich wurde an Bord der „Sachsen“ mit großer Offenheit und Herzlichkeit aufgenommen. Besonders schön ist für mich, dass ich viele Kameraden bereits aus früheren Einsätzen kenne. So fühlte ich mich in der neuen Umgebung gleich zuhause und vertraut.

Was gefällt Ihnen gerade am Bordleben und wie ist der tägliche Kontakt mit den Soldaten an Bord?

Am Bordleben gefällt mir das unmittelbare Miteinander, die Kameradschaft, das offene Wort, aber auch das Wissen darum, dass jeder auf jeden angewiesen ist – über alle Dienstgradgruppen und Arbeitsbereiche hinweg. So ist es auch für mich nicht schwer die Kontakte zu den Soldaten aufrechtzuerhalten. Das gelingt mir dadurch, dass ich viel im Schiff unterwegs bin. Ich interessiere mich für die Menschen: Für ihre Arbeit, für ihr Leben. Und ich denke, das spüren die Soldaten auch.

Wie sieht Ihr Tagesablauf an Bord aus?

Auch für mich ist der Rahmen durch den Tagesbefehl gegeben. Innerhalb dessen kann ich mich frei bewegen und versuche, meiner eigenen Routine nachzugehen. Das bedeutet, ich nehme meine Mahlzeiten nach einem festen Turnus immer in einer anderen der vier nach Dienstgradgruppen getrennten Messen ein. Die Bordverpflegung ist aus meiner Sicht außerordentlich gut.

Am Abend gehe ich über die Seewachstationen, um so über mehrere Tage verteilt alle Soldaten, die im Schichtdienst tätig sind, wahrzunehmen. Ich nehme an Briefings, Besprechungen und Antreten teil. Höhepunkte sind sicherlich dabei die tägliche kleine Morgenandacht an Oberdeck vor Beginn des Tagesdienstes und natürlich auch der Sonntagsgottesdienst mit anschließendem Kirchencocktail am frühen Nachmittag auf dem Flugdeck. Trotz der Sonntagsroutine sind die Reihen immer sehr gut gefüllt. Selbst wenn die See einmal etwas rauer ist und ich auch schon einmal die Kerzenleuchter samt Kerze oder das Kreuz auf dem Altar festhalten muss.

Ein ganz besonderes Highlight war in diesem Einsatz der gemeinsame Gottesdienst mit Teilen der Besatzung und der deutschen Gemeinde von Malta auf dem Flugdeck der „Sachsen“.

Auf der persönlichen Ebene gefällt mir die Nähe zu den Soldaten. Das Schiff ist eben auch eine sehr kleine Welt. Rein äußerlich gefallen mir hier an Bord sehr gut der Stil und die Kultur. Selbst wenn man sich dreimal am Tag gesehen hat, geht man nicht stumm aneinander vorbei.

Quelle: Bundesministerium der Verteidigung, www.bmvg.de

Auch gerne als vertrauter Gesprächspartner an Bord genutzt und anerkannt. Foto: Bundeswehr/Sönke Struhalla

Zurück zur Übersicht