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Zum U-Boot-Fund im Skagerrak

Das Sea War Museum Jutland im dänischen Thyborøn hat während seiner derzeit laufenden Registrierung von Schiffswracks in der Nordsee und im Skagerrak eine besondere Entdeckung gemacht. Im April 2018 fand das Museum das Wrack des deutschen U-Boots U 3523, das am 6. Mai 1945 von einem britischen Flugzeug im Skagerrak versenkt wurde. Einen Tag, bevor die deutschen Streitkräfte in Dänemark, Nordwestdeutschland und den Niederlanden kapitulierten, war das Boot zwar auf keiner Kriegspatrouillie unterwegs, aber möglicherweise auf der Flucht.

U 3523 war eines der neuen U-Boote vom hoch entwickelten Typ XXI, welcher den U-Bootkrieg vermutlich revolutioniert hätte, wenn genügend Boote rechtzeitig fertiggestellt worden wären. Insgesamt liefen 131 U-Boote dieses Typs vom Stapel, 118 davon wurden in den aktiven Dienst gestellt. Nur wenige U-Boote liefen zum Fronteinsatz aus, keines absolvierte eine richtige Feindfahrt.

Nach dem Krieg gab es viele Gerüchte, dass führende Nazis in U-Booten geflohen wären und Nazigold in Sicherheit gebracht hätten. Die Geschichte von U 3523 schürte diese Gerüchte. U-Boote des Typs XXI waren die ersten, die über einen langen Zeitraum tauchen konnten, und sie waren in der Lage, nonstop weite Strecken zu fahren. Doch wohin U 3523 damals unterwegs war und ob neben der 58-köpfigen Crew noch Ladung oder Passagiere an Bord waren, weiß niemand. Es gab keine Überlebenden.

Während eines Meeresbodenscans, den das Museum durchführte, tauchte zehn Seemeilen nördlich von Skagen in einer Tiefe von 123 Metern plötzlich der Umriss von U 3523 auf dem Bildschirm auf. Ungewöhnlich daran war, dass der gesamte vordere Teil des U-Boots im Meeresboden steckte, während das Heck 20 Meter daraus hervorragte. Bislang hatte man angenommen, dass U 3523 nordöstlich von Skagen gesunken ist, doch die heutige Position weicht stark davon ab. U 3523 liegt rund neun Seemeilen westlich von der Position, die vom Britischen Flugzeug seinerzeit gemeldet wurde. Da das Wrack in 123 Metern Tiefe liegt, wird es schwer werden, es näher zu untersuchen.

Dr. Florian Huber, Unterwasserarchäologe und Mitglied im Deutschen Marinebund, hat natürlich umgehend von dem Fund erfahren. Er beschäftigt sich intensiv mit den Schiffswracks beider Weltkriege in Nord- und Ostsee. Er weiß, welchen archäologischen Wert diese Entdeckung hat und wie wichtig es ist, Wracks wie das von U 3523 zu schützen.

„Man könnte meinen, die Wracks sind in den Tiefen der Meere gut geschützt, doch die Realität sieht anders aus. Die Wracks sind bedroht durch kommerzielle Bergung, Plünderung, Verschrottung oder Grundschleppnetzfischerei. Dabei handelt es sich um bedeutende historische Quellen, viele von ihnen zeigen den hohen Stand der Technik des 20. Jahrhunderts auf. Sie sind Zeugen einer der größten Konflikte der jüngeren Geschichte. Die meisten von ihnen sind darüber hinaus Kriegsgräber, in denen noch immer menschliche Überreste ruhen.“

Das Sea War Museum Jutland in Thyborøn hat in der Nordsee und im Skagerrak bislang über 450 Wracks gefunden, registriert und vermessen, darunter zwölf U-Boote, davon drei britische und neun deutsche. Nach dem 2. Weltkrieg übernahmen Großbritannien, die USA, Frankreich und die Sowjetunion eine ganze Reihe deutscher U-Boote vom Typ XXI und nutzten sie über Jahre, um von der deutschen Technologie zu profitieren. In der Sowjetunion wurden U-Boote dieses Typs als „Whiskey Klasse“ bezeichnet und befanden sich bis in die 1980er-Jahre hinein im aktiven Dienst. Heute existiert noch ein U-Boot vom Typ XXI. Es liegt als Museumsboot im Hafen vor dem Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven.

Textquellen: Sea War Museum Jutland und Deutscher Mainebund
Foto: Gemeinfrei, Photograph from the Bureau of Ships Collection in the U.S. National Archives. Photo #: 19-N-95866

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