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100 Jahre Marinekameradschaft Coesfeld

Landesleiter des Deutschen Marinebundes Westfalen, Johannes Rottmann, mit dem Geschäftsführer Karlheinz Wichelmann und eine Abordnung der Marinekameradschaft Gescher waren der Einladung gefolgt sowie Gerhard Beirer, Fregattenkapitän a. D. eines ehemaligen Patenbootes.

Die Feier begann mit der Eröffnungsrede des ersten Vorsitzenden Peter Lukas. Wie er darlegte, wurde der Verein am 4. Oktober 1922 durch einige Blaujacken der damaligen Kaiserlichen Marine in der Stadt Coesfeld ins Leben gerufen. Die wechselnden politischen Verhältnisse sowie die Kriegs- und Nachkriegszeiten spiegelten sich auch im damaligen Marineverein Coesfeld wider. 1938 musste das Vereinsleben eingestellt werden, da viele Kameraden Marinesoldaten wurden oder bei der Handelsmarine fuhren.

Am 8. Mai 1954 trafen sich 25 Kameraden zur Neugründung der Marinekameradschaft Coesfeld. Weiterhin ließ der Vorsitzende die Höhepunkte der MK Revue passieren, die das große Glück hatte, in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Coesfeld und deren Bürgermeistern Patenschaften mit Booten der Bundesmarine und nach der Wende mit der Deutschen Marine pflegen zu können. Lukas, seit 2013 erster Vorsitzender, beendete seine Rede mit dem Appell, den Begriff „Kameradschaft“ auch zukünftig in seinem besten Sinne wörtlich zu nehmen: „GUTE KAMERADEN gibt es nicht. Im Begriff KAMERADEN ist schon alles Positive enthalten.“
Zur Jubiläumsfeier hatten die Mitglieder den Festsaal in ein kleines maritimes Museum verwandelt. Dies konnte nun um ein wichtiges maritimes Exponat erweitert werden: Lars Hirland, letzter Kapitän des Schnellbootes S62 Falke, hatte den Coesfeldern zu ihrem Jubiläum das Gästebuch des Schnellbootes geschenkt. Für dieses Boot hatte die Kameradschaft im Auftrag der Stadt Coesfeld die Patenschaft übernommen von seiner Indienststellung am 13. April 1976 an bis zur Außerdienststellung am 16. Dezember 2004.

Zur Freude der Anwesenden hatte auch Fregattenkapitän a.D. Beirer die lange Fahrt aus Handewitt auf sich genommen, um der Einladung zum Jubiläum der MK Coesfeld nachzukommen. Er war von 1985 bis 1988 Kommandant der S62 und seitdem verbindet ihn eine enge Freundschaft mit der MK Coesfeld. Nicht nur mit weiteren Jubiläumsgeschenken, sondern auch mit der Einladung an die Mitglieder, im Jahr 2024 auf einer Barkasse als Beobachter an der Rum-Regatta in Flensburg teilzunehmen, festigte er diese Freundschaft.

Zusammen mit Lukas und dem Ehrenvorsitzenden Wolfgang Wedewer, der von 1983 bis 2013 Vorsitzender der MK Coesfeld war, blätterte Beirer in dem wertvollen Gästebuch, das sogar einen Eintrag des spanischen Königspaares aus dem Jahr 1977 enthielt. Beirer richtete allerdings auch kritische Worte an die Mitglieder, die er eigentlich an die Politik schickte: Die Abschaffung der Wehrplicht schwäche die Wehr- und Verteidigungspflicht des Landes. Seit damals wurde die Bundeswehr zurückgebaut, Stützpunkte verkauft. „Diese Friedensdividende hat uns gerade sträflich eingeholt. Mit Blick auf den Ukraine-Krieg macht mir das Sorgen. Wie würde denn bei uns eine Mobilmachung aussehen? Wer würde hingehen? Würden unsere jungen Männer auch ins Ausland flüchten?“, fragte sich Beirer, der damit ein nachdenkliches Schweigen der Versammlung auslöste.

Dennoch schauten die weiteren Redner nach vorn. Wedewer, der bei der Handelsmarine als Maschinist um die Welt gefahren ist, lobte die Kameradschaft als nachhaltigsten Stützpfeiler der Seefahrt.

Karlheinz Wichelmann berichtete von 700 Mitgliedern und 31 Kameradschaften des DMB-Landesverbandes Westfalen. „Die Mitgliederwerbung ist heute schwieriger geworden, da junge Marinesoldaten nicht nachkommen. Was uns verbindet, ist der ATEM GOTTES, die Liebe zur See“, so Wichelmann.

Die nachfolgende sehr harmonische und sicherlich unvergesslich bleibende Jubiläumsfeier ließ alle wichtigen Denkanstöße und Betrachtungen zur Vereinschronik daraufhin mehr und mehr in den Hintergrund treten und bewies die sehr aktuelle Gültigkeit dieses verbindenden Elements.

Text u. Foto: Peter Lukas u. Franz Josef Schwering

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