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Bildungsprojekt „Snorkeling.City“

Wie sieht das Leben unter der Wasseroberfläche der Ostsee aus? Das vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel initiierte Umweltbildungsprojekt „Snorkeling.City“ ermöglicht bereits zum dritten Mal rund 500 Schüler:innen aus dem Norden einen Einblick in die spannende Unterwasserwelt der Kieler Förde. Am 27. Mai ist das Projekt mit der ersten Schnorchelexpedition in die Saison 2026 gestartet.

Viele Menschen kennen die Ostsee nur von der Oberfläche – mal grau, mal grün, mal tiefblau – doch was sich darunter verbirgt, haben die wenigsten je mit eigenen Augen gesehen. Dabei existiert direkt vor der Kaikante in der Kieler Förde eine überraschend vielfältige Unterwasserwelt. Diese können auch in diesem Sommer rund 500 Schüler:innen entdecken – mit Maske, Schnorchel und Flossen. Beim Umweltbildungsprojekt „Snorkeling.City“, das vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel initiiert wurde, bekommen 25 Schulklassen die Möglichkeit, die Unterwasserwelt der Ostsee direkt vor ihrer Haustür zu erleben.

Das Projekt wird ehrenamtlich von Dr. Henry Göhlich geleitet und gemeinsam mit Pro Ocean umgesetzt. Finanziell unterstützt wird „Snorkeling.City“ von der BINGO! Umweltlotterie, dem Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, regionalen Unternehmen sowie privaten Spender:innen.

Wenn aus Unsicherheit Staunen wird

Das erste Mal mit einem Schnorchel im Meer, der erste Atemzug durch die Maske, der Moment, wenn plötzlich eine Strandkrabbe über den Meeresboden huscht, ein Seestern oder eine im Seegras versteckte Seenadel sichtbar wird – für viele Kinder ist es der erste Blick unter die Wasseroberfläche der Ostsee ein eindrückliches Erlebnis.

Vom Seebad Düsternbrook aus geht es direkt in die Kieler Förde, hinein in eine Welt mit Seegras, Garnelen, Quallen und kleinen Krebsen. Aus anfänglicher Unsicherheit wird häufig Begeisterung. Viele Kinder überwinden Ängste vor kaltem Wasser oder unbekannten Meerestieren, wachsen im Buddy-System als Team zusammen und entdecken gemeinsam einen Lebensraum, den sie zuvor kaum wahrgenommen haben.

Meer erleben – Natur schützen

„Nur was wir kennen und emotional erleben, wollen wir auch schützen“, sagt Dr. Mark Lenz, Meeresbiologe am GEOMAR. Er hat das Projekt initiiert und freut sich, dass es nun in die dritte Saison geht: „Wer einmal durch eine Seegraswiese geschnorchelt ist, sieht die Ostsee mit anderen Augen. Genau diese Erfahrung möchten wir Kindern und Jugendlichen ermöglichen.“

Die Kurse verbinden Naturerlebnis mit wissenschaftlicher Umweltbildung. Vor der Schnorchelexkursion lernen die Schüler:innen beispielsweise, was es bedeutet, dass die Ostsee ein Brackwassermeer ist oder warum Seegraswiesen für Biodiversität, Wasserqualität und Küstenschutz so wichtig sind. Begleitet werden die Gruppen von Studierenden der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und des GEOMAR, die in Umweltbildung, Erster Hilfe sowie Rettungsschwimm- und Schnorchelpraxis geschult sind. Ergänzend arbeiten die Teilnehmenden mit einfachen wissenschaftlichen Methoden, wie Mikroskopieren oder Messungen von Salzgehalt, Sauerstoff und pH-Wert.

Lernen durch eigenes Erleben

Die Verbindung von Wissenschaft, Bewegung, Teamarbeit und emotionaler Erfahrung ermöglicht eine ganz eigene Lernerfahrung. Statt Umweltbildung im Klassenraum zu vermitteln, erleben die Teilnehmenden die Ostsee unmittelbar mit dem eigenen Körper.

„Viele Kinder erzählen nach dem Schnorcheln zum ersten Mal zuhause von Seegras, Krebsen oder Quallen – und plötzlich sprechen ganze Familien über Meeresschutz“, sagt Projektleiter Dr. Henry Göhlich. „Genau diese persönliche Verbindung macht den Unterschied.“

Langfristig verfolgen die Initiator:innen das Ziel, dass jedes Kind an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins einmal selbst die Unterwasserwelt der Ostsee erlebt haben soll. Denn die Erfahrung zeigt: Wer einmal selbst durch eine Seegraswiese geschnorchelt ist, entwickelt eine andere Beziehung zur Ostsee – und versteht unmittelbar, warum Meeresschutz direkt vor der eigenen Haustür beginnt.

Hintergrund

Breites Netzwerk regionaler Partner

„Snorkeling.City“ wird von einem breiten Netzwerk aus regionalen Partner:innen, Organisationen und freiwilligen Unterstützer:innen getragen. Die Schnorchelausrüstung stellen das BUND-Umwelthaus Neustadt, der BUND Schleswig-Holstein sowie die Tourismus-Agentur Lübecker Bucht zur Verfügung. Darüber hinaus wird das Projekt unterstützt vom Ocean Summit, der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein, Kiel-Marketing, MARES, Liquid Sport, der Rune Sauna, den Unternehmen sm electrics und Anschütz GmbH, dem Arbeiter-Samariter-Bund Schleswig-Holstein sowie dem Tauchlehrer Kjell Wassermann.

Damit das Projekt dauerhaft etabliert und auf weitere Küstenstandorte ausgeweitet werden kann, werden zusätzliche Partner:innen und Fördermöglichkeiten gesucht.

Bundesweite Aufmerksamkeit und Auszeichnungen

„Snorkeling.City“ findet inzwischen auch über Schleswig-Holstein hinaus Beachtung: 2025 wurde das Projekt für den Planet Hero Award der Zürich Versicherung nominiert und erreichte beim Publikumspreis mit rund 800 Stimmen den zweiten Platz.

2026 ist „Snorkeling.City“ für den Kieler Umweltpreis der Stadtwerke Kiel nominiert. Unterstützer:innen können aktuell online für das Projekt abstimmen.

Darüber hinaus ist „Snorkeling.City“ Teil der internationalen Initiative „Science Comes To Town“ sowie der UN-Ozeandekade, die weltweit Projekte unterstützt, die den Schutz des Meeres mit Bildung und Wissenschaft verbinden.

Termine

Schnorchelexkursionen für Schulklassen

Die Schnorchelexkursionen finden vom 27. Mai bis zum 3. Juli 2026 nahezu täglich statt.

Teilnehmen werden Schulklassen aus dem Stadtgebiet Kiel, aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Auch die Meermacher:innen der „Ocean Youngsters“ sind in diesem Jahr wieder dabei und treffen sich im Rahmen eines Netzwerktreffens im Seebad Düsternbrook.

Weitere Veranstaltungen

Neben den Schulkursen gibt es zusätzliche öffentliche Angebote:

20. Juni 2026: Schnorchelabenteuer und Ostseeentdeckertourmit der BUND-Jugend (9:00–12:00 Uhr) – noch freie Plätze

https://www.bundjugend-sh.de/veranstaltungen/schnorcheln-mit-snorkeling-city/

7. Juli 2026: Meeresbiologisches Schnorcheln, Volkshochschul-Kurs (14:00–17:00 Uhr) – noch freie Plätze

https://www.foerde-vhs.de/programm/gesellschaft-und-kulturelles-leben/kurs/Meeresbiologisches-Schnorcheln/26F13034

Links

https://www.pro-ocean.com/de/projekte/snorkeling-city-eine-stadt-taucht-ab/ Projektseite

https://daten.tv-plus.com/f/26e35215a30f4ea29ff9/ Video von der Veranstaltung

Text: GEOMAR, Foto: Louisa Trippe, GEOMAR

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