Drehscheibe für Windenergie
Der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland und Europa ist ohne eine leistungsstarke maritime Logistik nicht denkbar. Die niedersächsischen Seehäfen nehmen hierbei eine zentrale Schlüsselrolle ein und werden sich unter der Dachmarke Seaports of Niedersachsen vom 22. bis 25. September auf der Leitmesse der Windenergieindustrie, der WindEnergy in Hamburg, präsentieren. Als hochspezialisierte Logistik-Hubs bündeln sie das erforderliche Know-how für den effizienten Umschlag, die Lagerung und den Weitertransport von Onshore- und Offshore-Windenergiekomponenten.
Mit ihrer direkten Anbindung an die Offshore-Windparks in der Nordsee, spezialisierten, hochmodernen Umschlagseinrichtungen und trimodalen Hinterlandanbindungen schaffen die Hafenstandorte in Niedersachsen die Voraussetzung für den Aufbau und den Betrieb einer nachhaltigen Energieinfrastruktur. Um dieses Potenzial auch künftig voll auszuschöpfen, braucht die Hafenwirtschaft jedoch weiterhin verlässliche politische Rahmenbedingungen und zügige Fortschritte bei Infrastruktur- und Netzausbau. Exemplarisch für die niedersächsische Hafenwirtschaft insgesamt zeigen die Hafenstandorte Brake, Cuxhaven, Emden und Nordenham, dass sie sich mit ihrer langjährigen Erfahrung und flexiblen Logistikdienstleistungen in der Windenergiebranche als starke Partner etabliert haben – und ihr Potenzial weiter ausschöpfen wollen:
Seehafen Brake: Flexibler Hafendienstleister für Onshore-Windkomponente mit Zukunftspotenzial für den Offshore-Bereich
Das starke Wachstum im Umschlag von Windenergiekomponenten zeigt die immer größer werdende Rolle des Seehafen Brake für die Energiewende. Der bisherige Schwerpunkt des Standorts liegt auf dem Onshore- Bereich, wofür Brake ideale Bedingungen bietet. Gleich drei verschiedene Straßenanbindungen garantieren eine hohe Flexibilität beim Transport von Komponenten ins Hinterland. Außerdem ist der Hafen mit moderner und innovativer Hafentechnik ausgestattet, die für den effizienten Umschlag der Güter sorgt. Jörg Kaplan, Bereichsleiter Stückgut bei der J. Müller Weser GmbH & Co. KG in Brake sieht den Hafen auch in Zukunft gut für den Umschlag von Windenergiekomponenten aufgestellt: „Die Nachfrage am Markt ist da und wir haben ebenso Potenzial, zukünftig auch Offshore Projekte in Brake zu realisieren. Dies auch vor dem Hintergrund der geplanten Hafenerweiterung.“ Neben der wachsenden Nachfrage im Windenergiesektor stärkt auch das durch den Hafenbetreiber Niedersachsen Ports (NPorts) geplante Erweiterungsgebiet im Boitwarder Groden die Perspektiven des Hafens. Die unmittelbare Hafennähe schafft gute Voraussetzungen für die Ansiedlung von Unternehmen aus der Windenergiebranche. Dadurch entstehen zusätzliche Aufträge für den Hafen und positive Effekte für den Ausbau der erneuerbaren Energien.
Seehafen Cuxhaven: Drehkreuz für den Umschlag von Windenergiekomponenten baut Vorreiterrolle aus
Cuxhaven etabliert sich weiterhin als Deutsches Offshore-Industriezentrum und insbesondere der Ausbau des Offshore-Hafens Cuxhaven, als zentrales Hafenbauprojekt von NPorts, wird die Möglichkeiten des Standorts an der Elbe im Windenergiebereich erweitern. Ausgestattet mit Schwerlastbereichen an der Pier und einer weiteren RoRo-Rampe bietet Cuxhaven künftig die Infrastruktur, um Komponenten beliebiger Größe uneingeschränkt umzuschlagen. Ein Erfolgsfaktor ist zudem die Ansiedlung von Industrie. So sorgt z.B. das Werk des Weltmarktführers Siemens mit dem Umschlag von Offshore-Komponenten für steigende Umschlagszahlen. Kapitän Arne Ehlers, Geschäftsführer der BREB GmbH & Co. KG und Vorsitzender der Hafenwirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven lobt die bisherige Kooperation vor Ort, fordert aber zugleich mehr Rückhalt aus der Bundespolitik: „Die Zusammenarbeit zwischen der lokalen Wirtschaft, der Stadt Cuxhaven, NPorts, dem Land Niedersachsen und dem Bund beim Thema Hafenerweiterung funktioniert hervorragend. Was uns jedoch fehlt, ist ein klares, offizielles Bekenntnis aus Berlin zur Offshore-Windenergie. Gaskraftwerke mögen als Ergänzung notwendig sein, aber die Transformation gelingt nur gemeinsam mit den Erneuerbaren. Die Windkraft ist der Garant für unsere künftige Unabhängigkeit, sie darf in den politischen Entscheidungen keinesfalls aus den Augen verloren werden. Momentan sei allerdings gerade in der produzierenden Offshore- Branche eine gewisse Verunsicherung durch wirtschaftliche und regulatorische Faktoren zu erkennen, so Ehlers. Diese beruhten u.a. auf unklaren Ausschreibungsverfahren oder auch Verzögerungen beim Netzausbau: So müssten bestimmte zukünftige Windparks mehrere Jahre auf den Netzanschluss warten, gemäß aktuellem Planungsstand. Die damit einhergehenden Produktionsschwankungen der Offshore-Industrie federt die Hafenwirtschaft in Cuxhaven letztlich flexibel ab, indem die derzeitigen Kapazitäten für vermehrten Umschlag von Onshore-Komponenten genutzt werden. Für die Zukunft verlangt Arne Ehlers von der Politik jedoch mehr Entschlossenheit beim Bürokratieabbau, beim Netzausbau sowie bei der Digitalisierung der Netze. Denn nicht zuletzt sieht Ehlers in den Erneuerbaren einen entscheidenden Sicherheitsfaktor: Strom aus der Fläche verringere das Risiko, schnell verwundbar zu sein, da die Windenergieanlagen weit verteilt sind.
Seehafen Emden: Spezialist für Onshore-Logistik sowie für Betrieb und Wartung auf See
Im Onshore-Bereich hat sich der Seehafen Emden als wichtiger Importhafen für Großkomponenten etabliert. Ob Stahltürme, Maschinenhäuser oder Rotorflügel, Emden ist für den Umschlag aller Komponenten für den Bau von Onshore-Windenergieanlagen ausgerüstet. Grund dafür sind die flexiblen Umschlagsmöglichkeiten und eine gute Anbindung ans Hinterland. Im Offshore-Segment richtet Emden seinen Fokus bewusst auf den Bereich Operation & Maintenance (Betrieb und Wartung). Auch beim Repowering und der Erneuerung bestehender Anlagen spielt der Standort mit seinen Hafendienstleistungen eine Rolle. Durch den Umschlag von Kabeltrommeln unterstützt die Firma Ems Ports Agency & Stevedoring Bet. GmbH & Co. KG (epas) zudem maßgeblich den Trassenbau von See an Land, wie etwa bei der wichtigen Anbindung „A-Nord“, die Strom von Emden bis ins Ruhrgebiet transportieren soll. Timo Siebahn, Geschäftsführer der epas, sieht den Hafen für die Zukunft gut aufgestellt, verweist dabei auf die geographischen Pluspunkte und die regionale Vernetzung. Zudem fordert er verlässliche Rahmenbedingungen von der Politik: „Für uns bieten sich im Bereich der Windenergielogistik zahlreiche Potenziale, die wir mit unseren Hafenanlagen optimal bedienen können. Wir profitieren von der guten Anbindung an die Windparks der deutschen Nordseeküste und einer regionalen Wirtschaft, die voll auf die Energiewende setzt. Damit dieser Weg erfolgreich bleibt, braucht es jetzt ein klares Signal der Politik und einen verlässlichen Kurs pro Erneuerbare Energien. Sie sind der Schlüssel für eine unabhängige, nachhaltige und wehrhafte Energieinfrastruktur.“
Seehafen Nordenham: Wichtiger Baustein in der Supply Chain der Offshore-Windenergie
Auch der Seehafen Nordenham nimmt eine zentrale Rolle beim Ausbau der Windenergie ein, wie Thorben Jepp, Abteilungsleiter Auftragsmanagement bei der Rhenus Midgard GmbH & Co. KG in Nordenham, betont. Das Leistungsspektrum am Standort sei vielfältig. Neben dem Umschlag von Seekabeln und allgemeinen Offshore-Komponenten werden in Nordenham unter anderem Monopiles des Herstellers Steelwind umgeschlagen, die bis zu 2.100 Tonnen schwer sind. Zudem laufen regelmäßig Versorgerschiffe den Hafen an, um Crewwechsel durchzuführen und Versorgungsgüter umzuschlagen. Ein weiterer wesentlicher Aufgabenbereich ist die Mobilisierung von Installationsschiffen. In Nordenham ist die Dynamik der Branche deutlich spürbar. Thorben Jepp blickt zuversichtlich auf den Markt: „Wir haben einen positiven Eindruck vom Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland und Europa. Man spürt eine Hands-on-Mentalität, die den Ausbau vorantreibt. Außerdem erhalten wir immer mehr Anfragen von Kunden und Partnern, welche Hafenkapazitäten für Offshore-Projekte dringend benötigen. In Nordenham bieten wir flexible Möglichkeiten, um die zugehörige Logistik abzuwickeln.“ Herausforderungen für die Hafeninfrastruktur seien allerdings auch im Seehafen Nordenham spürbar. Durch immer größer werdende Komponenten steigen auch die Anforderungen an Boden- und Kranlasten.
Gelegenheit zur Diskussion mit den Hafenmanagern aus den niedersächsischen Seehäfen über die beschriebenen Chancen und Herausforderungen, aber auch zu neuen Services und hafenbezogenen Logistikangeboten, bietet ab dem 22. September die Fachmesse WindEnergy in Hamburg. Hier präsentiert sich Seaports of Niedersachsen auf dem Gemeinschaftsstand des Landes Niedersachsen gemeinsam mit anderen Partnern in Halle B5, Standnummer 408.
Text: Seaports of Niedersachsen GmbH, Foto: epas GmbH
Mit Know-how und hochspezialisierter Umschlagtechnik möchten die niedersächsischen Seehäfen ihre wichtige Rolle als Logistik-Hubs für die Windindustrie weiter ausbauen.




