Rezension von FKpt a.D. Dr. Heinrich Walle zum Buch „Karriere in bewegter See“ von Dr. Ingo Pfeiffer.
Ingo Pfeiffer: Karriere in bewegter See. Mein Weg in der Volksmarine zur Bundesmarine 1968 bis 1990 und die Zeit danach, 300 Seiten, 21 Farb- und 16 Schwarzweißbilder, Carola Hartmann Miles Verlag, Berlin 2026, ISBN: 978 – 3 – 96776 – 109 – 2, 19,80 EUR
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Rezension von FKpt a.D. Dr. Heinrich Walle zum Buch „Karriere in bewegter See“ von Dr. Ingo Pfeiffer
In seiner Autobiographie schildert der Historiker und Fregattenkapitän a.D. Dr. Ingo Pfeiffer seine Erlebnisse in der Volksmarine der DDR sowie in der Umbruchphase 1989/90 nach dem Fall der Mauer.
Ingo Pfeiffer, Jahrgang 1949, hat 1968 seinen Dienst in der Volksmarine begonnen. Nach seiner Ausbildung zum Techniker war er Leitender Ingenieur auf einem U-Jagdschiff. Mit Abschluss eines gesellschaftswissenschaftlichen Studiums wurde er Fachgruppenleiter für Geschichte an der Offiziershochschule in Stralsund. 1988 promovierte er an der Sektion Geschichte der Universität zu Rostock zum Dr. phil. Nach 23 Jahren schied er wenige Monate nach der Deutschen Einheit aus strukturellen Gründen im Dezember 1990 aus dem aktiven Dienst der Bundeswehr als Fregattenkapitän aus. Anschließend absolvierte er ein betriebswissenschaftliches Studium mit dem Diplom-Abschluss als Marketing-Referent und arbeitete bis 2010 als Projektmanager für Stahl- und Metallrecycling in verschiedenen Unternehmen der Privatwirtschaft.
Der Autor erkannte während seiner Dienstzeit in der Volksmarine, dass hier veraltete Schiffe sowjetischer Bauart Verwendung fanden, eine Bespitzelung durch Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi stattfand und eine Verwendungsplanung praktiziert wurde, bei der nicht immer Eignung, Leistung und Befähigung im Vordergrund standen. Mit solchen Erlebnisberichten vermittelt der Autor tiefe Einblicke in die ehemalige ostdeutsche Armee.
Eine Zäsur seiner Dienstzeit bildete die Auseinandersetzung mit der politischen Führung der NVA bzw. Volksmarine im Jahr 1988 sowie der Fall der Mauer in Berlin am 9./10. November 1989 als er Diensthabender Offizier (OvD) an der Offiziershochschule in Stralsund war. Er beschreibt den erlebten und mitgestalteten Umbruch in der Volksmarine 1989/90, sowie deren Auflösung ab dem 3. Oktober 1990. Seine Ausführungen darüber, wie die Führung der Volksmarine sich weigerte, das untergehende SED-Regime mit Waffengewalt an der Macht zu halten, dürfte das ein oder andere Vorurteil zurechtrücken.
Als Historiker erkannte er, dass der letzte Oberbefehlshaber der NVA und Verteidigungsminister der DDR, Admiral Theodor Hoffmann und der letzte Flottenchef der NVA, Vizeadmiral Hendrik Born, unter Berufung auf die Verfassung der DDR, wonach die Streitkräfte nur zur Verteidigung des Landes von außen und deshalb nicht zur gewaltsamen Niederschlagung protestierender Bürger berechtigt sind, den unblutigen Verlauf der Wende ermöglicht haben. In seiner Funktion als Diensthabender Offizier an der Offiziershochschule verhinderte er in Übereinstimmung mit dem Flottenchef die von der SED-Führung verlangte Gewaltausübung. So berichtet Dr. Flohr mit deutlichen Worten, wer sich um die „Armee der Einheit“ verdient gemacht hatte, ein Personenkreis, zu dem auch er als ehemaliger Offizier der Volksmarine gehört.
Die hier vorliegende Autobiographie ist mehr als eine Zusammenstellung persönlicher Erinnerungen. Der Autor legt als Historiker mit seinem persönlichen Erlebnisbericht eine solide Sachdarstellung über Ursachen und Folgen der deutschen Wiedervereinigung vor und benennt klar, welche Fehler die verantwortlichen Personen in Politik und Militär dabei begangen haben.
So kann der Rezensent diesen Band nur als spannend geschriebene Sachdarstellung mit geschichtswissenschaftlichem Tiefgang empfehlen und dem Miles Verlag danken, dass er eine solche Dokumentation veröffentlicht.






