Konferenz in Kapstadt
Ölverschmutzungen sind eine erhebliche Bedrohung für Tiere – weltweit. Alle drei Jahre treffen sich auf der „Effects of Oil on Wildlife“ (EOW) Konferenz, internationale Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Naturschutz, Politik und Industrie, um Lösungen zu entwickeln, wie wildlebende Tiere im Falle von Ölkatastrophen besser geschützt und unterstützt werden können. Die EOW, die in diesem Jahr im südafrikanischen Kapstadt stattfand, ist die einzige globale Konferenz, die sich ausschließlich mit den Herausforderungen der Planung, Einsatzvorbereitung und Forschung im Bereich von Ölunfällen und deren Auswirkungen auf Tiere beschäftigt.
Für das Havariekommando stellte Dr. Jessica Ramm, Biologin im Fachbereich „Schadstoffunfallbekämpfung Küste“, ein gemeinsames Projekt von Havariekommando und EUROWA vor. EUROWA steht für „EURopean Oiled Wildlife Assistance“, vertreten im Projekt durch die Nichtregierungsorganisationen Sea Alarm Foundation und Dachverband PRO Bird e.V.
In dem Projekt entwickeln die Beteiligten gemeinsam mit Behörden der fünf deutschen Küstenländer einen taktischen Plan für den Umgang mit kontaminierten wildlebenden Tieren. Ziel ist es, diesen Plan in die bestehenden Strukturen der einzelnen Küstenländer und die vorhandene komplexe Struktur zur Schadstoffunfallbekämpfung unter der Gesamteinsatzleitung des Havariekommandos zu integrieren. Das Projekt umfasst zudem EUROWA-Spezialkurse für die Veterinärbehörden der Küstenländer sowie Kurse für die Mitarbeitenden, die die im taktischen Plan definierten Rollen übernehmen werden.
Das Projekt, das im November 2024 mit einer Auftaktveranstaltung begonnen hat, ist auf ein Jahr angelegt. Danach ist in einem zukünftigen mehrjährigen Programm in enger Zusammenarbeit mit EUROWA die Umsetzung des Plans vorgesehen.
Die Vorstellung des Projekts war eines von vielen spannenden Themen der „Effects of Oil on Wildlife“ Konferenz, von denen das prägnanteste wohl der 25. Jahrestag der TREASURE-Ölpest war. Der Untergang des Eisenerzfrachters TREASURE vor Südafrika hatte im Juni 2000 eine beispiellose Rettungsaktion ausgelöst: Mehr als 20.000 verölte Afrikanische Pinguine – auch Brillenpinguine genannt – wurden nach der Katastrophe gereinigt, rehabilitiert und freigelassen. Weitere 20.000 Pinguine wurden präventiv eingesammelt, um sie vor dem Öl zu retten. Die Rettungsaktion gilt als weltweit größte ihrer Art und war ein Meilenstein im Tierschutz. Die Einsatzkräfte versorgten insgesamt mehr Brillenpinguine, als heute in freier Wildbahn leben. Die Art ist vom Aussterben bedroht und Prognosen zufolge könnten Brillenpinguine in weniger als 4.000 Tagen in freier Wildbahn verschwunden sein, wenn der Rückgang weiterhin ungebremst anhält.
Ohne das gemeinsame Engagement von Organisationen wie International Bird Rescue, International Fund for Animal Welfare (IFAW) und der South African Foundation for the Conservation of Coastal Birds (SANCCOB) während der TREASURE-Katastrophe, wären Brillenpinguine möglicherweise schon heute nicht mehr in freier Wildbahn anzutreffen. Der Aufbau eines globalen Netzwerks – das Global Oiled Wildlife Response System (GOWRS) – und die Entwicklung gemeinsamer Strategien zur Ölverschmutzungsbekämpfung wurden vor diesem Hintergrund auf der Konferenz intensiv diskutiert.
Text u. Foto: Havariekommando




