Homburger Volkstrauertag
Zum diesjährigen Volkstrauertag begrüßte Christine Caster, Ortsvorsteherin von Homburg/Saar, die Anwesenden vor der Friedhofshalle des Homburger Hauptfriedhofs. Zur Einstimmung spielte der Evangelische Posaunenchor Erbach.
Homburgs Bürgermeister Manfred Rippel stellte in seinem Redebeitrag die Bedeutung des Mottos des diesjährigen Volkstrauertags heraus: „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“. Dazu führte er aus, dass: „Gerade der 80. Jahrestag des Kriegsendes den diesjährigen Volkstrauertag zu einem besonderen Tag macht. Und wie in jedem Jahr ist es die zentrale Botschaft des Volkstrauertages: wir sollen aus der Geschichte lernen und uns für den Frieden einsetzen und darauf hinwirken, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen, auch angesichts der aktuellen Konflikte.“
Frank John, Landrat des Saarpfalz-Kreises, blickte in seiner Rede auf das Kriegsende vor 80 Jahren und vor allem auf die Kriegsfolgen zurück, bevor er dazu aufrief, für die Erhaltung des Friedens aktiv zu werden. John wies eindrücklich darauf hin, dass im Laufe der letzten Jahrzehnte die Erinnerung schwand und damit auch das Bedürfnis des gemeinsamen Gedenkens, des Innehaltens und des Nachdenkens. Wörtlich sagte er: „Gerade jetzt, da wir auch erleben müssen, dass sich Demokratien in Autokratien zu wandeln drohen, Menschenrechte missachtet werden, dümmliche Hassparolen laut und lauter werdend sind – müssen wir den Geschehnissen und der Entwicklung sichtbar etwas entgegensetzen und erinnern, wohin das führen kann. Die Erfahrungen aus der eigenen Geschichte müssen uns Mahnung sein – nicht nur an die Adresse die Politik, sondern an jeden einzelnen von uns. Frieden geht uns alle an!“
Dr. Thomas Holtmann, Dekan im protestantischen Kirchenbezirk Homburg, begann seinen Beitrag mit einem Auszug aus dem Vorwort der neuen Denkschrift der EKD. Am Beispiel USA könne man beobachten, wie autoritäre Umstrukturierungen erfolgreich sein, Verständigungswille schwinden und eigene Interessen politisch durchzusetzbar werden können.
Bezogen auf die Anzeichen erlebter Unordnung zitierte Dr. Holtmann den Evangelisten Lukas, 21. Kapitel, der sogenannten Rede Jesu über die Endzeitfolge, deren Kernbotschaft wohl ist: Passt auf und lasst euch nicht in Irre führen. Dr. Holtmann wörtlich: „Die Kirche ist in der Pflicht, zur Aufklärung beizutragen und gegen gesellschaftliche Polarisierung und algorithmisch verstärkte Radikalisierung Stellung zu beziehen. Passt auf und lasst euch nicht in Irre führen!“
Nach einem weiteren musikalischen Beitrag des Evangelischen Posaunenchors Erbach legten die Marinekameradschaft Homburg, die Feuerwehr Homburg für die Stadt und der Jugendbeirat der Stadt Homburg am Ehrendenkmal der Gefallenen und Vermissten des 1. und 2. Weltkrieges und den Opfern von Kriegen und Gewalt Gedenkkränze nieder.
Durch die gelebten Partnerschaften des Saarpfalz-Gymnasiums (SPG) mit der 21. Öffentlichen Schule der georgischen Hauptstadt Tiflis und dem Collège der Cité Scolaire Grand Air im französischen La Baule bekam der diesjährige Volkstrauertag einen ganz persönlichen Bezug, wie Simone Lukas, die für die Austauschkoordination verantwortliche Geschichtslehrerin, betonte.
Gemeinsam konnten die SPG-Schülerinnen Ottilie S. (Austauschpartnerin von Taia) und Klara L., beide Klasse 10a, der georgischen Familie Dschugheli helfen, das Schicksal ihres Vorfahren Waliko Dschugheli zu klären.
Feldwebel Waliko Dschugheli kämpfte im Zweiten Weltkrieg und kam als verwundeter kriegsgefangener Soldat in das Reservelazarett in Homburg, wo er am 15. September 1944 starb. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Homburger Ehrenfriedhof. Für seine Urenkelin Taia erfüllte sich schließlich Walikos letzter Wunsch, die heimatliche georgische Erde möge auf sein Herz gestreut werden. Unser georgisch-deutscher Schüleraustausch machte das möglich.
Auch bei der Klärung des Schicksals des kriegsgefangenen französischen Soldaten 2. Klasse, Marcel Beaudouin, konnte der Schüleraustausch der SPG helfen. Beaudouin starb im Februar 1941 im selben Lazarett an Lungentuberkulose, war in Homburg begraben, wurde 1950 exhumiert, über Umwege per Namen zugeordnet und auf einen nationalen Ehrenfriedhof gefallener Soldaten bei Metz beigesetzt und fand damit in der Nähe seiner Familie seine letzte Ruhe.
In ihrem Referat hob SPG-Schülerin Sofia K., Klasse 12, hervor, wie Völkerverständnis und Völkerzusammenarbeit ihrem deutschen Vater und ihrer spanischen Mutter mit Programmen wie Erasmus zur Förderung von Bildung, Jugend und Sport in Europa geholfen haben. Sie schloss mit der Aufforderung „Lasst uns die Zusammenarbeit im Geiste von gegenseitigem Respekt und Menschlichkeit in den Vordergrund stellen!“ Soe P., Klasse 8b, unterstützte die Referentinnen. Gemeinsam legten sie am Ehrendenkmal jeweils Blumen in den Farben Georgiens und Frankreichs nieder. Zum Abschluss spielte nochmals der Evangelische Posaunenchor Erbach.
Text u. Fotos: Dietrich Peter Kleine
Homburgs Bürgermeister Manfred Rippel (re) hob die Bedeutung des Mottos des diesjährigen Volkstrauertags hervor: „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“
Kranzniederlegungen durch die Marinekameradschaft Homburg, die Feuerwehr Homburg und dem Jugendbeirat der Stadt Homburg am Ehrendenkmal auf dem Homburger Hauptfriedhof










