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Ereignisreicher Segeltörn

Vom 09. bis 14. November 2025 ging unser Törn von Teneriffa nach La Palma über La Gomera und wieder zurück nach Teneriffa. Gechartert hatten wir wieder die Yacht Nomia, eine Sun Odyssey 469, das gleiche Schiff, das wir auch letztes Jahr segelten. Die zurückgelegte Strecke betrug mit einem Tag Pause, witterungsbedingt, ca. 210 Seemeilen.

Wir starteten am Sonntag, den 09. November in Marina San Miguel gegen 10:00 Uhr mit dem Zielhafen Santa Cruz de Tenerife. Nach zwei Stunden herrlichem Segeln drehte der Wind, und wir konnten so unser Ziel unter Segeln nicht mehr erreichen. Das Wetter wurde zunehmend schlechter, der Wind nahm an Stärke ständig zu (6 bis 7 Beaufort) und die Wellen wurden immer höher. Bei einer Wellenhöhe von 5-6 m verschwand unsere Yacht fast vollständig in den Wellentälern und durch die Gischt, die ständig über das Schiff schlug, wurden wir dann bis auf die Haut nass. Ausgerüstet mit Rettungswesten und Lifelines mussten wir unter Maschine noch 6 Stunden bis zum Hafen durchhalten. Bei beginnender Dunkelheit hat unser Co-Skipper Adolf das Anlegemanöver gefahren.

Am Abend wurde uns von unserem Chefkoch Marcus und seinen Helfern ein feines Abendessen serviert. Wir erfuhren per Mail von unseren besorgten Angehörigen, dass es durch Monsterwellen wohl zu einigen schwere Unfällen gekommen war. Monsterwellen hatten wir keine gesehen, aber was wir heute an Wellen erlebt hatten, war durchaus beeindruckend.

Das nächste Ziel war der Hafen Garachico auf der Nordseite Teneriffas. Die Fahrt verlief abwechselnd unter Segel und Maschine. Dabei konnten wir die sich brechenden Wellen an der Küste beobachten. Die Hafeneinfahrt bei einer drei Meter hohen Dünung war recht anspruchsvoll. Die Einfahrt in den Hafen ist lange nicht zu sehen. Kurz vor der Einfahrt muss man dann an zwei gelben Bojen vorbei, und dann nahezu rechtwinklig in die Hafeneinfahrt einbiegen. Der Hafen ist 2014 erbaut und durch eine sehr große Betonmole vor Wind und Wellen geschützt. Im Hafen selbst ist leider keine Infrastruktur vorhanden. Am Abend gab es daher den schon als traditionell zu bezeichnenden Salzbraten nach dem Rezept von Stefan.

Am frühen Morgen des nächsten Tages legten wir mit Ziel La Palma ab. Es lag ja eine Strecke von fast 70 Seemeilen vor uns. Nach einer längeren Fahrt unter Motor konnten wir dann auch mal für einige Stunden die Segel setzen und erreichten dabei gemütliche sechs Knoten Geschwindigkeit. Gegen 17:00 Uhr erreichten wir die Hafeneinfahrt von Puerto de Santa Cruz de La Palma. Für die Einfahrt in den Yachthafen muss man sich per Funk beim Hafenbüro anmelden, damit ein Tor, das als Wellenbrecher dient, geöffnet werden kann.

Unser Funkspruch wurde von niemandem erwidert. Wir lösten das Problem schließlich per Handy. Später erzählte man uns, dass das Problem mit unserem Funk auf der Nomia hier schon bekannt sei. Das Anlegen wurde von unserem neusten Segelscheinbesitzer, Marcus Brügge einwandfrei durchgeführt. Abends wurde das Wetter schlechter. Es regnete wie aus Eimern und der Wind pfiff durch den Hafen. Die Boote lagen aber in dem geschützten Hafenbecken sehr ruhig.

Am nächsten Morgen erfuhren wir im Hafenbüro, dass ein Auslaufen aufgrund einer offiziellen Unwetterwarnung auf den Kanaren nicht möglich sei. Somit verbrachten wir den komplett verregneten Tag im Hafen und mit einem Ausflug in die Stadt Santa Cruz de La Palma, ein reizvolles, mit prächtigen alten Häusern und einer feinen Gastronomie ausgestattetem Städtchen.

Donnerstags konnten wir unseren Törn mit dem Ziel La Gomera fortsetzen. Wir verließen den Hafen unter Maschine, bis diese sich plötzlich selbstständig abschaltete. Einige Startversuche blieben jedoch erfolglos. Unsere beiden Bordmechaniker Karsten und Urban überprüften die Dieselpumpe und wechselten den Dieselfilter worauf wir unseren Motor auch wieder starten konnten. In der Zwischenzeit hatte der Wind zu unserem Vorteil aufgefrischt und wir konnten den ganzen Tag beeindruckend segeln und erreichten zeitweise Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 14 Knoten. Als wir in die Abdeckung von La Gomera kamen, wollten wir die Segel einholen und starteten unseren Motor, der sich aber nach wenigen Minuten wieder selbstständig abschaltete.

Wir trieben jetzt ca. 10 Meilen vor der Hafeneinfahrt Marina La Gomera und mussten zudem noch mit letzter Segelkraft einer Schnellfähre ausweichen. Darauf nahm ich als Skipper telefonischen Kontakt zu unserem Vercharterer auf, der uns aber keine richtige Unterstützung war. Wir erfuhren lediglich, dass es noch einen weiteren Dieselfilter unter dem Bett einer Kajüte gab. Auch den bauten wir aus und säuberten ihn. Gebracht hat das aber auch nichts, der Motor startete nicht. Langsam begann es jetzt auch schon dunkel zu werden. Ein Versuch, das Hafenbüro anzurufen, blieb ebenfalls erfolglos. Wir saßen jetzt alle etwas ratlos da. Für mich gab es jetzt nur noch die Möglichkeit, einen Notruf per Funkgerät abzusetzen. In diesem Fall erfolgt eine Dringlichkeitsmeldung als Pan, Pan, Pan. Ich bat Marcus, als neusten Funkscheinbesitzer, mich dabei zu unterstützen und das auch in der Hoffnung, dass unser Funkgerät funktioniert. Wir waren dann nicht schlecht erstaunt, als nach unserem Funkspruch eine wohlklingende Frauenstimme aus dem Lautsprecher erklang, die sich über unsere Situation erkundigte. Uns wurde mitgeteilt, dass ein Boot der Küstenwache aus dem Hafen La Gomera zum Abschleppen ausrückt. Wir konnten unser Glück kaum fassen und warteten in der Dämmerung auf unseren Abschlepper, den wir dann mit Lichtzeichen auf uns aufmerksam machten.

Das Abschleppen und das Anlegen an der Tankstelle im Hafen wurden durch die Mannschaft des Rettungsbootes hoch professionell durchgeführt. Mit dem Kapitän des Seenotkreuzers hatten wir anschließend noch ein nettes Gespräch und bedankten uns aufrichtig bei unseren Rettern. In gut gelaunter Runde ließen wir das am Tag Erlebte noch einmal an uns Revue passieren.

Am nächsten Morgen mussten wir das Boot mit vereinten Kräften an einen anderen Platz verlegen, um die Tankstelle frei zu machen. Von unserer Basis wurde uns ein Mechaniker geschickt. Dieser konnte feststellen, dass im Tank offensichtlich etwas ausgeflockt war. Er schloss den Dieselvorfilter kurz, woraufhin der Motor wieder ansprang. Nach einem halbstündigen Probelauf hatten wir uns entschieden, zurück in den Ausgangshafen San Miguel zu fahren. Es lag jetzt nur noch eine Strecke von 28 Seemeilen vor uns. Nach einer Stunde Fahrt hat sich unsere Maschine dennoch erneut selbstständig abgeschaltet.

Zum Glück hatte eine Segelyacht, die wir kurz vorher überholten, bemerkt, dass wir offensichtlich ein Problem hatten. Sie boten uns an, uns nach San Miguel abzuschleppen, was wir mit Freuden annahmen. Wir erlebten jetzt zum zweiten Mal, wie es ist, wenn man abgeschleppt werden muss. Für das Abschleppen mussten wir dem Kapitän der Yacht einen kleinen Unkostenbeitrag von 230 € bezahlen, die wir von unserem Vercharterer wieder erstattet bekamen. Für den letzten Abend unseres Segeltörns gönnten wir uns ein Abendessen in einem feinen Fischlokal.

Nach diesem ereignisreichen Segeltörn waren wir am nächsten Tag alle froh, wieder sicher in der Heimat gelandet zu sein.

Text u. Foto: Adolf Pfordt

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