IMC Segellager in Venedig 2026
Das IMC-Jugendsegellager 2026 an der Marineschule Francesco Morosini
Venedig – für viele ein Reiseziel, das weit oben auf der Wunschliste steht. Für eine kleine deutsche Delegation ging es im Sommer 2026 jedoch nicht nur zum Sightseeing in die Lagunenstadt. Vom 21. Juli bis 1. August wurde Venedig für elf Tage zum Zuhause, Trainingsrevier und Treffpunkt junger Menschen aus sechs europäischen Nationen.
Das IMC Sailing Camp 2026 fand an der italienischen Marineschule Francesco Morosini auf Sant’Elena statt. Jugendliche aus Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich und Deutschland kamen zusammen, um zu segeln, maritime Traditionen kennenzulernen und vor allem internationalen Austausch zu erleben.
Für Deutschland nahmen drei Jugendliche zwischen 16 und 23 Jahren aus Berlin (Marie), Kiel (Richard) und Zwickau (Maximilian) teil, begleitet vom deutschen Teamleiter Lukas (Berlin). Während Richard bereits im Vorjahr Erfahrungen bei einem internationalen Segellager gesammelt hatte, war es für die anderen eine völlig neue Erfahrung.
Ankommen in Venedig
Am 21. Juli begann die gemeinsame Reise am Flughafen BER in Berlin. Weniger als zwei Flugstunden später landeten wir in Venedig am Venice Marco Polo Airport. Vom Flughafen ging es zunächst mit dem Bus und anschließend – wie sollte es in Venedig anders sein – über das Wasser weiter zur Marineschule.
Dort wartete ein ungewöhnliches Begrüßungskomitee: unzählige Zikaden, deren lautes Zirpen in den kommenden Tagen zum Grundrauschen des venezianischen Sommers werden sollte.
Nach und nach trafen die Delegationen ein. Die Zimmer wurden bewusst international gemischt. Wer sich mit seinem Zimmernachbarn unterhalten wollte, musste also schnell auf Englisch umschalten – und genau das war Sinn der Sache.
Vier Kadetten der italienischen Marineschule begleiteten uns während des gesamten Camps und standen praktisch rund um die Uhr als Ansprechpartner zur Verfügung. Bei der ersten Einweisung wurden außerdem die Camp-Kleidung und der Tagesplan vorgestellt. Poloshirts, Sportshirts und Hosen gehörten zur Ausstattung und wurden während des Aufenthalts regelmäßig getragen.
Der Alltag folgte einem festen Rhythmus: Aufstehen gegen 7.30 Uhr, Frühstück, Training, Mittagessen, weitere Aktivitäten am Nachmittag und anschließend Abendessen und Freizeit. Spätestens um 23 Uhr war Nachtruhe. Die Strukturen einer Marineschule waren deutlich zu erkennen, ohne dass der Spaß dabei zu kurz kam.
Die ersten Tage auf dem Wasser
Bereits am nächsten Morgen ging es mit dem Boot hinüber zum Lido, wo sich das Segelzentrum befand. Zunächst wurden die Jollen vom Typ Trident 16 mit ihren Segeln und die wichtigsten Manöver erklärt. Wie funktioniert eine Wende oder Halse? Welche Aufgabe übernimmt wer an Bord? Und wie arbeitet man als Mannschaft zusammen?
Nationale Teams gab es dabei bewusst nicht. Die Besatzungen wurden aus unterschiedlichen Ländern zusammengestellt. So wurde aus dem Segeltraining gleichzeitig eine tägliche Übung in internationaler Zusammenarbeit.
Lange blieb es nicht bei der Theorie: Schon am ersten Trainingstag ging es für alle auf die Lagune. Für einige war es eine der ersten richtigen Erfahrungen auf einem Segelboot, das mit 5m Länge und einem Gesamtgewicht von 210kg auch nicht gerade „handlich“ ist.
In den folgenden Tagen wurden Manöver und unterschiedliche Segelkurse trainiert. Auch das Kentern und anschließende Aufrichten der Boote gehörte dazu. Bei kräftigem Wind landeten dabei zwangsläufig alle irgendwann im Wasser. Was zunächst Überwindung kostete, entwickelte sich schnell zu einem der lustigsten Programmpunkte – und spätestens danach war die Angst vor dem Kentern deutlich kleiner.
Nach dem Segeltraining ging es zurück zur Marineschule. Dort wartete das Abendessen und anschließend bestand an mehreren Abenden die Möglichkeit, Venedig in kleinen Gruppen zu erkunden. Gerade am Abend, wenn die größten Besucherströme langsam verschwanden, zeigte sich die Stadt noch einmal von einer ganz anderen Seite.
Venezianische Tradition und Kultur
Das Programm beschränkte sich nicht nur auf das Segeln. Am 25. Juli stand traditionelles venezianisches Rudern auf dem Plan. Die schmalen Boote und die besondere Rudertechnik unterschieden sich deutlich von dem, was viele aus Deutschland kannten. In kleinen Gruppen ging es aufs Wasser und schnell wurde klar: Was bei erfahrenen Venezianern mühelos aussieht, ist in der Praxis gar nicht so einfach.
Einen Tag später tauschten wir Segelkleidung gegen Kulturprogramm. Im Museo Storico Navale di Venezia erhielten wir einen Einblick in die maritime und militärische Geschichte Venedigs. Historische Schiffe, Modelle, Ausrüstung und zahlreiche Exponate zeigten, welche enorme Bedeutung die Seefahrt für die Entwicklung der Stadt hatte.
Anschließend ging es zum Markusdom. Die gewaltige Architektur, die vergoldeten Decken und Mosaike bildeten einen beeindruckenden Kontrast zu den vorherigen Tagen auf dem Wasser. Ein weiteres Highlight folgte an der Basilica di Santa Maria della Salute: Wir erhielten die Gelegenheit, auf das Dach zu steigen und von dort über die Dächer, Kanäle und die Lagune zu schauen – ein Ausblick, den man als gewöhnlicher Venedig-Besucher nicht jeden Tag bekommt.
Am selben Abend zeigte Venedig dann eine völlig andere Seite. Nach Tagen mit Temperaturen von meist über 30 Grad zog ein heftiges Gewitter über die Stadt. Starkregen, Wind und Blitze sorgten dafür, dass innerhalb kürzester Zeit Wasser aus den Abflüssen drückte und Teile der Wege überflutet wurden. Für einen Moment wirkte es tatsächlich, als würde die ohnehin auf dem Wasser errichtete Stadt langsam mit der Lagune verschmelzen.
Nicht immer spielt der Wind mit
Am nächsten Morgen herrschte dagegen kaum Wind. Also wurde aus dem Segeltraining zunächst eine spontane Badeeinheit. Anschließend nutzten wir die Zeit für Segeltheorie: Kurse zum Wind, Segelstellungen und die Frage, auf welchem Kurs ein Boot besonders schnell unterwegs ist.
Obwohl der Wind später etwas zunahm, machte der hohe Wellengang nach dem Gewitter ein sicheres Ablegen nahezu unmöglich. Die Boote wurden immer wieder zurückgespült und das Training musste schließlich abgebrochen werden – auch das gehört zum Segeln.
In den folgenden Tagen konnte wieder trainiert werden. Inzwischen rückte der sportliche Höhepunkt des Camps näher: die Abschlussregatta. Nach mehr als einer Woche auf dem Wasser sollten die international gemischten Mannschaften nun zeigen, was sie gelernt hatten.
Die Abschlussregatta
Am 30. Juli war es schließlich so weit. Bei der Regatta mussten Manöver, Kommunikation, Segelstellung und das richtige Gespür für Wind und Boot zusammenspielen.
Besonders erfreulich aus deutscher Sicht: Richard gehörte zur siegreichen Mannschaft und konnte nach seiner zweiten Teilnahme das Camp mit einem sportlichen Erfolg abschließen.
Mindestens genauso wichtig wie das Ergebnis war jedoch, was während der Tage davor entstanden war. Aus Jugendlichen verschiedener Länder waren Mannschaften geworden. Auf dem Boot spielte es irgendwann kaum noch eine Rolle, ob jemand aus Belgien, Österreich, Frankreich oder Deutschland kam. Entscheidend war, dass man miteinander kommunizierte und als Team funktionierte.
Ein gemeinsamer Abschluss
Am 31. Juli ging das Camp langsam seinem Ende entgegen. Die Boote wurden vom Lido zurückgebracht und abgeriggt. Gleichzeitig trafen Vertreter der verschiedenen nationalen Verbände ein. Für die deutsche Seite war unter anderem der Präsident Heinz Maurus vor Ort.
Beim gemeinsamen Abschlussabend kamen damit auch verschiedene Generationen der maritimen Gemeinschaft zusammen: auf der einen Seite langjährig engagierte Mitglieder der Verbände, auf der anderen Jugendliche, die gerade ihre ersten Erfahrungen mit einem internationalen maritimen Austausch gesammelt hatten.
Bei gutem Essen, Musik und Tanz wurde aus dem offiziellen Abschluss schnell ein geselliger letzter Abend. Nach elf Tagen voller Segeln, Sonne, Wind, Wasser und neuer Eindrücke konnte die gesamte Gruppe noch einmal gemeinsam feiern.
Am nächsten Morgen hieß es schließlich Abschied nehmen. Für die deutsche Delegation ging es zurück zum Flughafen und nach Hause.
Was blieb, waren deutlich mehr als zusätzliche Segelkenntnisse. Jugendliche aus sechs Nationen hatten gemeinsam gelebt, gegessen und trainiert, sich gegenseitig auf den Booten geholfen und ihre Freizeit miteinander verbracht. Aus ersten Gesprächen auf Englisch entstanden Bekanntschaften und teilweise Freundschaften, die sicherlich auch über das Camp hinaus bestehen bleiben.
Und die Rahmenbedingungen hätten dafür kaum außergewöhnlicher sein können: elf Tage im Herzen Venedigs, eine italienische Marineschule als Zuhause, tägliches Segeln auf der Lagune und junge Menschen aus sechs europäischen Nationen.





