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Der letzte Mann ist von Bord

Mit großer Trauer erfuhr der Freundeskreis U 995 Anfang Januar vom Tode von Kurt Tobschall. Tobschall war das letzte lebende Besatzungsmitglied von U 995 und fuhr auf dem Boot von 1943 bis zum Kriegsende und stand dem Freundeskreis immer bei Rückfragen zu den Lebensumständen und Geschehnissen an Bord, aber auch mit teils unterhaltsamen Anekdoten seiner U-Bootszeit, zur Verfügung.

So zum Beispiel vom stetigen Kampf der Funker mit dem Kommandanten, welche Art Musik über das bordeigene Grammophon gespielt werden soll. Oder wie der knapp 20-jährige Kurt in Nordnorwegen das erste Mal mit Bols-Likör als Sonderverpflegung in Kontakt kam – immerhin eine unbekannte Delikatesse! Zur Marine hatte sich der gebürtige Sachse nach eigener Aussage auch nur deshalb gemeldet, weil er nicht „wie die Schulkameraden bei der Infanterie durch Russland latschen“ wollte. Es waren auch ernste Geschichten über Angst im Krieg, Verlust von Kameraden und Freunden und den Wunsch, wieder heimzukehren. Er berichtete auch über die Kameradschaft zu den alten Bordgefährten, zu denen er Anfang der 1990er nach der Wende wieder nahtlosen Kontakt aufnehmen konnte.

Leider war es ihm nicht mehr vergönnt, im Sommer seinen 100. Geburtstag zu feiern. Damit existiert die Zeitzeugengeneration, die den U-Bootkrieg im heutigen technischen Museum U 995 noch selbst erlebt hat, nicht mehr. Es ist nun Aufgabe des Deutschen Marinebundes und des Freundeskreises, dass das technische Museum U 995 als Mahnmal an die Opfer der Vergangenheit erinnert, wenn es die Zeitzeugen nicht mehr können.

Text: Paul-P. Schröder, Foto: Freundeskreis U 995

Der Verfasser bei einem Gespräch mit Kurt Tobschall über seine Erlebnisse auf U 995
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