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Starke Reserve – starke Heimat

Die Verteidigungs- und Sicherheitslage in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren spürbar gewandelt. Neben klassischen militärischen Bedrohungen treten hybride Szenarien, Angriffe auf kritische Infrastruktur, Cyberoperationen und komplexe Krisenlagen im Inland immer stärker in den Vordergrund. Gleichzeitig erwartet die Bevölkerung zu Recht, dass der Staat auch in außergewöhnlichen Lagen handlungsfähig bleibt: Strom muss fließen, medizinische Versorgung muss funktionieren, öffentliche Sicherheit und Ordnung müssen gewährleistet sein.

Für das Landeskommando Niedersachsen bedeutet das: Heimatschutz ist längst kein abstraktes Schlagwort mehr, sondern ein praktischer Auftrag. Mit seinen Verbindungskommandos, Bezirksverbindungskommandos und der starken Einbindung der Reserve steht es im Zentrum eines Netzes aus militärischen und zivilen Akteuren, das im Ernstfall tragfähig sein muss.

Genau in diesem Spannungsfeld bewegte sich die mehrtägige Ausbildungs- und Informationsveranstaltung des Landeskommandos Niedersachsen, die auf dem Marinefliegerstützpunkt Nordholz, einem der strategisch bedeutendsten Küstenstandorte der Bundeswehr, durchgeführt wurde – inzwischen bereits zum vierten Mal in Folge. Was als zielgerichtete Fachveranstaltung begann, hat sich längst zu einer Tradition und zu einem Leuchtturmformat im niedersächsischen Heimatschutz entwickelt.

Führung zeigt Präsenz – und Wertschätzung

Schon die Eröffnung machte deutlich, welchen Stellenwert das Format innerhalb der Bundeswehr und insbesondere im Landeskommando Niedersachsen hat.

Die Teilnehmenden wurden begrüßt von:
• Oberst Frank Wachter, Kommandeur Landeskommando Niedersachsen,
• Kapitän zur See Broder Nielsen, Kommandeur Marinefliegerkommando,
• Fregattenkapitän Stephan Giesbers, Kasernenkommandant des Marinefliegerstützpunkts Nordholz.

Alle drei wandten sich mit einleitenden Worten an die Vertreterinnen und Vertreter von Bundeswehr, Polizei, Energieunternehmen, Gesundheitswesen, Katastrophenschutz und weiteren Organisationen. Oberst Wachter stellte die Veranstaltung in einen klaren Zusammenhang mit der sicherheitspolitischen Gesamtentwicklung: Die Bundeswehr sei nicht mehr ausschließlich im Auslandseinsatz gefordert, sondern zunehmend auch im Rahmen der gesamtstaatlichen Verteidigung im Inland gefragt – und hier insbesondere mit Reserve, Landeskommandos und Verbindungskommandos.

Die äußerst herzliche Aufnahme durch die Marineflieger verlieh der Veranstaltung eine besondere, kameradschaftliche Atmosphäre – ein Willkommensgefühl, das allen Teilnehmenden in Erinnerung blieb.

Marineaffiner Gastgeber mit Verantwortung an der Küste

Kapitän zur See Broder Nielsen und Fregattenkapitän Stephan Giesbers betonten die Rolle des Marinefliegerstützpunkts Nordholz: als bedeutender Luftfahrtstandort der Marine, als militärischer Knotenpunkt an der deutschen Nordseeküste und als verlässlicher Partner in der Region.

Die Tatsache, dass die Veranstaltung zum wiederholten Mal in Nordholz durchgeführt wird, sei Ausdruck des gewachsenen Vertrauens zwischen Marinefliegern, Landeskommando und zivilen Partnern – und ein sichtbares Zeichen, dass die Marineflieger ihre Rolle als professionelle Gastgeber ernst nehmen.

BVK Hannover PD und BVK Oldenburg als Motor

Die fachliche und organisatorische Verantwortung für die Veranstaltung lag beim Bezirksverbindungskommando (BVK) Oldenburg, geleitet von Oberst d.R. Papst. Unter seiner Führung wurde ein dichtes Programm erstellt, das sich über mehrere Tage erstreckte: Fachvorträge, Diskussionsrunden, Praxisanteile und informeller Austausch – alles eng aufeinander abgestimmt.

Eine Schlüsselrolle übernahm Oberstabsfeldwebel d.R. Ingo Homann aus der Kreisgruppe Celle im Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V., beordert als Verbindungsfeldwebel im BVK Hannover PD. Als zentraler Organisator war er für viele Teilnehmende das „Gesicht“ der Veranstaltung und wurde für diesen Einsatz besonders gewürdigt.

Die Reserve ist nicht nur dabei – sie gestaltet und trägt.

Die Marineflieger schufen dabei mit ihrer Unterstützung den stabilen Rahmen, auf dem diese hochwertige Organisation aufbauen konnte.

Drohnen als Bedrohung – Polizei liefert Lagebild, Marineflieger liefern Praxis

Ein zentrales Thema war die zunehmende Bedrohung durch Drohnen. Die Polizei Niedersachsen zeigte anhand realer Fälle, wie gefährlich moderne Drohnen für sensible Bereiche werden können – besonders auch im Umfeld von Häfen, Küstenflugplätzen und Offshore-Infrastruktur.

Im Anschluss folgte der praktische Teil durch die Marineflieger. In der Sporthalle konnten die Teilnehmenden moderne Drohnentechnik selbst steuern und erleben:

  • wie intuitiv die Bedienung moderner Systeme ist,
  • wie präzise und schnell sie manövrieren,
  • wie leicht kritische Bereiche erreicht werden können.

Für Nordholz, als Knotenpunkt der Überwachung über See, ist diese Bedrohung längst eine maritime Sicherheitsanforderung.

KRITIS und Energieversorgung – wenn die Netze unter Druck geraten

Vertreter des Übertragungsnetzbetreibers TenneT zeichneten ein Bild von einem System, das hochkomplex, eng vernetzt und in vielen Bereichen auf Effizienz optimiert ist – und daher sensibel auf Störungen reagiert.

Im norddeutschen Küstenraum – geprägt von Offshore-Windparks, Unterseekabeln und Hafenlogistik – zeigt sich diese Verwundbarkeit besonders deutlich.

Oberst i.G. Dr. Bruhn, Führungsakademie der Bundeswehr und Geschäftsführer der Stadtwerke Böhmetal, machte klar:

KRITIS-Schutz ist Heimatschutz – und damit Verteidigungsfähigkeit im eigenen Land.

OPLAN DEU – der große Rahmen der gesamtstaatlichen Verteidigung

Oberst i.G. Schaus vom Operativen Führungskommando stellte den Operationsplan Deutschland (OPLAN DEU) vor – mit deutlicher Betonung:

Seewege, Häfen und Küstenregionen müssen in Krisen- und Verteidigungsfällen offen, geschützt und funktionsfähig bleiben.

Medizinische Versorgung im Krisenfall – Verwundbarkeit erkennen, Stärke nutzen

Ein wichtiger Block war der Beitrag von Oberstarzt Marth, der die medizinische Versorgung im Rahmen des OPLAN DEU einordnete. Er zeigte, wie stark das Gesundheitswesen in Krisenlagen abhängig ist von funktionierender Logistik, Energie und Kommunikation.

Im Anschluss vertiefte Oberfeldapotheker Seißelberg die Thematik der Arzneimittelversorgung.

Reservesoldatinnen und -soldaten im Sanitätsdienst sind ein entscheidender Brückenfaktor zwischen Bundeswehr und zivilem Gesundheitswesen.

Führung, Kommunikation und Verbindungskommandos – das Scharnier im Heimatschutz

Ein durchgängiges Leitmotiv war die Frage:

Wer weiß wann was – und wer entscheidet auf welcher Grundlage?

Verbindungskommandos stellen hierbei die entscheidenden Schnittstellen zwischen militärischen und behördlichen Strukturen dar – ein Auftrag, der im Küstenraum eine besondere Bedeutung entfaltet.

Austausch, Vernetzung und die Rolle der Reserve

Neben allen Fachthemen war die gesamte Veranstaltung geprägt von persönlichem Austausch, Vertrauen, gemeinsamer Verantwortung. Reservistinnen und Reservisten verkörpern dabei in besonderer Weise das Leitbild des „Bürgers in Uniform“.

Fazit: Ein starkes Signal für den Heimatschutz in Niedersachsen

Die Ausbildungstage in Nordholz haben eindrucksvoll gezeigt, dass der Schutz der Bevölkerung auf vielen Schultern ruht:

  • aktive Soldatinnen und Soldaten,
    • die Reserve,
    • Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz, Hilfsorganisationen,
    • Energie- und Gesundheitssektor,
    • kommunale und staatliche Behörden.

Nordholz steht dabei beispielhaft für das, was diese Veranstaltung ausmacht:
ein maritim geprägter Standort, der Verantwortung übernimmt;
ein Landeskommando, das seine Rolle als Knotenpunkt lebt;
und ein Netzwerk, das an Land und an der Küste gemeinsam Sicherheit gestaltet.

Die bereits geplante Fortsetzung zeigt: Hier ist etwas nachhaltig gewachsen.

Eine starke Reserve, ein starkes Landeskommando, starke Marineflieger und starke Partner – für eine starke Heimat.

Text u. Fotos: David Guttmann

Kapitän zur See Broder Nielsen (Kommandeur Marineflieger) begrüßt die Teilnehmer der Übung.

Fregattenkapitän Stephan Giesbers (Kasernenkommandant Marinefliegerstützpunkt Nordholz) bei einer praktischen Übung mit Drohnen mit einem teilnehmenden Polizisten

Gruppenfoto vor der Offiziersheimgesellschaft im Marinefliegerstützpunkt Nordholz
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